POP »Ich bin mein eigener Vorstandschef«
SPIEGEL: Mr. Carter, Sie und Eminem sind beide in der Kategorie »Bester Rap-Künstler« für den wichtigsten amerikanischen Musikpreis, den Grammy, nominiert. Wer hat bei der Verleihung übernächste Woche die besseren Chancen, der schwarze oder der weiße Rapper?
Carter: Keine Ahnung, aber mir ist es auch nicht wichtig, irgendwelche Preise zu gewinnen. Wenn am Ende des Tages mehr HipHop-Alben verkauft werden, dann ist das doch cool.
SPIEGEL: Macht es Ihnen denn keine Sorgen, dass 2002 die Verkaufszahlen im HipHop-Genre zum ersten Mal gesunken sind?
Carter: Erstens geht es der amerikanischen Wirtschaft insgesamt schlecht, zweitens sind die Umsätze der ge-
samten Musikindustrie um zehn Prozent gesunken, da musste der Rap natürlich auch ein wenig leiden. Trotzdem ist HipHop immer noch groß, große Firmen wie DaimlerChrysler spielen HipHop in ihren Werbespots, und Eminems Film »8 Mile« hat bisher weltweit 165 Millionen Dollar eingespielt. Warum sollte ich mir da Sorgen machen?
SPIEGEL: Weil Sie, wie viele HipHop-Künstler, auch Geschäftsmann sind - mit eigenem Plattenlabel, der Bekleidungslinie Rocawear, einer Filmfirma und einer Wodka-Marke.
Carter: Ich bin seit meinem ersten Album Unternehmer und mein eigener Vorstandschef - weil ich es musste. Niemand gab mir einen Plattenvertrag, also hatte ich die Wahl, entweder aufzugeben oder eine eigene Firma zu gründen. Was blieb mir also übrig?