»Immer cholerischer« - DER SPIEGEL
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THEATER »Immer cholerischer«

Ulrich Khuon, 52, Intendant des Hamburger Thalia Theaters, über die Wahl seines Hauses zum Theater des Jahres und den beißenden Kommentar des Theaterkritikers Gerhard Stadelmaier
• aus DER SPIEGEL 36/2003
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SPIEGEL: Herr Khuon, das Thalia ist das »Theater des Jahres«, »FAZ«-Kritiker Gerhard Stadelmaier meint allerdings, Sie stünden nicht einem Spitzenensemble, sondern einer »Heul-, Schmuddel- und Schreitruppe« vor. Kränkt Sie das?

Khuon: Ach, ich hab von ihm auch nichts anderes erwartet, und vielleicht ist es ja auch wichtig, dass man heutzutage die richtigen Gegner hat. Er mag halt ein anderes Theater, das von Luc Bondy und Andrea Breth, das sind natürlich auch zwei überaus respektable Regisseure.

SPIEGEL: Darf ein Kritiker keine Favoriten haben?

Khuon: Darf er natürlich. Die Frage ist: Was nimmt er daneben überhaupt noch wahr? Hat er sich nicht total abgeschottet? Mich erstaunt, dass Stadelmaier, so wie ich das sehe, in der letzten Spielzeit nur zwei unserer Produktionen gesehen hat. Und das reicht ihm dann für seine immer cholerischer werdenden Anfälle, die sind stets flott formuliert, aber immer weniger argumentativ. Im Grunde erfüllt er das, was er der Jury dieses Theaterpreises vorwirft: nämlich dezidiert zu urteilen, ohne alles gesehen zu haben.

SPIEGEL: Sie laufen dem ehemals ersten Theater Hamburgs, dem Schauspielhaus, längst den Rang ab. Früher bekam die Bühne an der Kirchenallee die Preise, nun sind Sie es. Sind Sie stolz?

Khuon: Ich sehe mich nicht in Konkurrenz zu den Kollegen. Ich mache ja meine Theaterarbeit unabhängig von Auszeichnungen, die mich natürlich freuen. Aber eines ist sicher: Was zeitgenössisches Theater angeht, steht Hamburg mit seinen beiden großen Häusern einzig da.

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