In die Nacht mit Gesichtssauna - DER SPIEGEL
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DESIGN In die Nacht mit Gesichtssauna

Eine neue Trendstudie will auf die spezifischen Bedürfnisse von Frauen in Hotels aufmerksam machen - dabei gibt es längst Häuser mit männerfreien Zonen.
• aus DER SPIEGEL 3/2008
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind ein unerschöpfliches Forschungsthema. Nichts ist banal, alles lehrreich. Eine Wissenschaftlerin hat sich gerade den Frauen in Hotels gewidmet - und der Frage, ob auf diese Klientel bei Service und Raumausstattung ausreichend Rücksicht genommen wird.

Die Analyse trägt den Titel »Frauenzimmer. Wie Businessfrauen sich Hotels wünschen«. Die Idee dazu stammt von einer Professorin der Köln International School of Design: Uta Brandes, 58, selbst eine Vielreisende, hat Architektinnen, Designerinnen, Managerinnen aus unterschiedlichen Ländern befragt und dann ihre Studenten, zwecks ergänzender Empirie, in Kölner Hotels geschickt.

Die Ergebnisse dürften auf großes Interesse stoßen. Denn Hotelbetreiber, die auf Frauen eingehen, können sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. In Deutschland beträgt der Anteil der Frauen an den Geschäftsreisenden etwa 25 Prozent, in anderen Ländern ist er oft deutlich höher. Überall ist die Tendenz steigend.

Was Frauen wollen, hat viel mit ihrem Alter zu tun. Am anspruchsvollsten sind laut Brandes die Damen zwischen dreißig und vierzig. Als »most demanding« werden sie im Wissenschaftsjargon bezeichnet. Übersetzt heißt das: Sie sind schwieriger als die Männer. Vor allem haben sie keine Scheu vor Reklamationen.

Wichtig: Die Geschäftsreisende will im Hotel abschalten, sich entspannen und sich dabei auch von der Männerwelt erholen. Sie möchte vor allem in der Sauna keinem Mann begegnen. Ab einem gewissen Alter, so ab fünfzig, kann sie auch in der Bar gut auf ihn verzichten. So sagt es die Studie.

Natürlich gibt es Unterkünfte, die sich längst auf die weibliche Kundschaft eingestellt haben. In den USA hat sich die Kategorie der »frauenfreundlichen« Hotels etabliert. Andernorts, von Norwegen bis Dubai, wurden in ausgewählten Hotels »Ladies Floors« eingerichtet - Etagen, auf denen männliche Gäste unter keinen Umständen einquartiert werden.

In manchen arabischen und auch asiatischen Gegenden ist solche Geschlechtertrennung geboten. Gäbe es die männerfreien Zonen nicht, würden viele Gatten ihre Frauen gar nicht allein im Hotel absteigen lassen. Ein Flughafenhotel in Bangkok reserviert gar einen Lift ausschließlich für diese Frauen, mit dem sie dann auf die männerfreie Etage fahren können. In Shanghai lässt sich eine Unterkunft mit weiblichem Butler finden.

Ebensolche Hotels, die echte oder auch nur vermeintliche Bedürfnisse vor allem der Businesskundinnen bereits berücksichtigen, sind aus soziologischer Sicht eine echte Fundgrube - scheinen sie doch alle Klischees über typisch weibliches Verhalten zu bestätigen.

In diesen Häusern hält das Personal Ersatzstrumpfhosen vorrätig. In den Zimmern sind Ganzkörperspiegel ein Muss. Das »Emergency Survival Kit« enthält nichts, was dem Überleben dient, sondern ein Ersatzschminkset.

Immerhin, sagt Professorin Brandes, gebe es für Männer oft eine Notfallausstattung mit Plastikrasierer: »Das findet ja auch keiner kurios.«

Die Wissenschaftlerin hat herausgefunden, dass die drei wichtigsten Kriterien für Frauen »Sinnlichkeit, Sicherheit und Sozialität« sind. Die Sozialität ist schon gewährleistet, wenn das Personal rund um die Uhr ansprechbar und dabei freundlich ist.

Auf die Sicherheit legen Amerikanerinnen den größten Wert. Von einem männlichen Begleitservice allerdings, etwa für den Opernbesuch, wollen vor allem Asiatinnen nichts wissen.

Unter »sinnlich« verstehen Frauen unter anderem, dass sie einen Wellness-Bereich und hochwertige Cremes vorfinden.

Überhaupt kann man die Zielgruppe offenbar mit geringem Aufwand sehr glücklich machen: etwa mit mehr Ablagefläche, Rockbügeln, Hightech-Föhn, freundlichen Farben und einem frischen Duft im Zimmer. Die Damen freuen sich über Extras wie Gesichtssauna und Yogamatte. Für Brandes ist die Körper- und Seelenpflege Ausdruck eines »spezifischen Narzissmus«, dem die Frauen gerade unterwegs nachgeben.

Unwohl fühlen sie sich dort, wo alles erkennbar auf eine männliche Klientel abgestimmt ist. Pay-TV zum Beispiel ist eine Männersache.

Alles in allem lässt sich sagen: Frauen sind zurückhaltende, geradezu brave Gäste, halten sich am liebsten im Hotel selbst oder in der näheren Umgebung auf.

Beliebt sind sie bei den Barkeepern. Denn Frauen, so lautet das Lob, »sind kreativer bei der Getränkebestellung« und bleiben auch nach Alkoholgenuss noch nett. Beobachtet haben wollen die Profis hinter dem Tresen übrigens auch, dass Frauen in Hosen seltener angesprochen werden als solche in Röcken. Aha.

Und klar, es gibt auch Minuspunkte. Frauen hinterlassen größere Unordnung im Bad und geben weniger Trinkgeld.

Wozu man das alles wissen muss? Wer sich heutzutage mit Design auseinandersetze, beschäftige sich eben nicht nur mit schön geformten Produkten, betont Brandes. Auch eine angenehme Atmosphäre könne schließlich regelrecht gestaltet werden.

Das sollten sich die Hoteldirektoren merken. Denn bald wird die Sache wirklich ernst. Brandes hat beschlossen, eine Art Hotelführer für Businessfrauen herauszugeben. Sie findet, es fehle ein Gütesiegel für frauengerechte Hotels.

Gerade in Deutschland ist der Nachholbedarf groß. Höchste Zeit für hiesige Hoteliers also, ein Gespür fürs Feminine zu entwickeln. Vielleicht gefällt das mit der netten Stimmung auch den männlichen Gästen. ULRIKE KNÖFEL

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