Bücher Interview mit Schnaps
Der heute in der Schweiz lebende Erzähler Ulrich Becher. 63. hat sich als junger Mann am Dunstkreis des George Grosz erlabt. des antibürgerlichen Graphikers. Im Novellen -- Band »Nachtigall will zum Vater fliegen« (1950) hat er ihn als »Theodosius Boehm« im New Yorker Exil porträtiert. Nun huldigt er dem toten Freund mit einer Art Roman.
Ein Journalist soll den berühmten Emigranten, der sich selbst den Namen Altdorfer verliehen hat, auf Long Island interviewen. Schäumende Gespräche über beinahe alles: über Hitlers Lesestoff im Wiener Männerheim und den Bankraub des jungen Stalin, über den Kumpan Brecht und US-Geheimdienstgrößen. Die äußere Spannung wird vom Dämon Alkohol entfacht. Der Interviewer, der bisher immer um Tee gebeten hatte, greift am letzten Abend doch zu Wein und Schnaps, wirft bald darauf seine Schuhe ins Feuer und Zehn-Dollar-Noten ins Klo und muß mühsam vor dem Unfalltod bewahrt werden.
Das Buch wirkt ein bißchen überreizt, doch wenigstens nicht fade.