»Irgendwie arrangieren« - DER SPIEGEL
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»Irgendwie arrangieren«

• aus DER SPIEGEL 49/1995
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frage: Stellen Sie kurz Ihre politische Laufbahn dar.

Antwort: Bis 1933 nahm ich teil an Aktionen der kommunistischen Partei und hatte engere Verbindung zu Schriftstellern aus dem kommunistischen Lager, darunter Bertolt Brecht, Johannes Becher, Ernst Toller und anderen. Ich spielte damals in demokratischen Filmen, ich war schon da einer der bekanntesten Schauspieler.

1933 kam Hitler an die Macht. Ich wurde vernommen und verlor meine Stellung. Ich hatte die Wahl, entweder auf meine Karriere zu verzichten und möglicherweise ins Gefängnis zu kommen oder mich irgendwie mit dem faschistischen Regime zu arrangieren.

Frage: Und Sie haben sich arrangiert . . . Erzählen Sie von Ihren Kontakten zu den faschistischen Machthabern.

Antwort: Ich war persönlich bekannt mit Hitler und Goebbels. Letzterer lud mich häufig zu sich ein, und gemeinsam stellten wir den Spielplan des Schiller Theaters zusammen.

Frage: Berichten Sie Ihre politischen Auftritte während des Krieges.

Antwort: Es waren keine politischen Auftritte, denke ich. Wahr ist, daß ich zu Neujahr, nach der Rede von Goebbels, mich an das deutsche Volk mit dem Aufruf gewandt habe, durchzuhalten und um jeden Preis zu siegen. Nach dem Attentat auf Hitler schickte ich ihm ein Telegramm. Im April 1945 schrieb ich einen Aufruf, in dem ich von der Notwendigkeit sprach, bis zuletzt zu kämpfen . . .

Frage: Dort wurde von »Barbaren« gesprochen, die »unsere Städte zerstören«, und von der Notwendigkeit, bis zum Ende auszuharren. Erinnern Sie sich jetzt?

Antwort: Ja, daran, daß dort von »barbarischen Zerstörungen« die Rede war . . . Für mich waren Hitler und Deutschland ein und dasselbe, daher glaubte ich, wenn ich für Hitler kämpfen würde, würde ich für Deutschland kämpfen.

Frage: Möchten Sie Ihren Aussagen noch etwas hinzufügen?

Antwort: Nein, ich habe alles gesagt, was ich konnte. Wenn ich ein Verbrechen begangen haben sollte, so war ich mir dessen nicht bewußt, sondern es geschah in dem Glauben, richtig zu handeln.

Das Protokoll wurde mir von einem Übersetzer in deutscher Sprache vorgelesen, und meine Äußerungen sind wortgetreu wiedergegeben.

Heinrich George

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