James Cameron Das Großmaul
Blockbuster-Regisseur James Cameron, 68, ist berüchtigt dafür, in Momenten des Triumphes keine gute Figur abzugeben. Als er 1998 bei der Oscarverleihung für sein Katastrophenepos »Titanic« ausgezeichnet wurde, zitierte er seinen von Leonardo DiCaprio gespielten Helden Jack und rief: »Ich bin der König der Welt!« Es gab nicht wenige in der Filmindustrie, die sich statt Großmäuligkeit Demut gewünscht hätten. Nun hat der Regisseur etwas getan, was in Hollywood als Sakrileg gilt: Er hat seine Fans beleidigt. Nach einer Vorführung seines Fantasyspektakels »Avatar – The Way of Water« in Beverly Hills stieg er in sein SUV, ohne vorher Autogramme zu geben. Einige seiner enttäuschten Anhänger buhten ihn daraufhin aus. Cameron reagierte, indem er ihnen den Stinkefinger zeigte. Der Regisseur, dessen lang erwartetes Sequel am ersten Wochenende weltweit rund 450 Millionen Dollar einspielte, hat noch drei weitere »Avatar«-Filme in der Pipeline. Er sollte es sich also vielleicht überlegen, mit wem er es sich verdirbt. Stattdessen geht Cameron weiter auf Konfrontationskurs mit seinen Fans: Er hat eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, die beweisen soll, dass Jack in »Titanic« niemals hätte überleben können und dass seine geliebte Rose nicht auf die Tür gepasst hätte, auf der sie nach dem Untergang des Schiffs im Meer trieb. Für das Experiment wurden zwei Stuntleute mit derselben Körpermasse wie die Hauptfiguren und ausgestattet mit Sensoren in Eiswasser gesteckt – um ihre Überlebenschancen zu ermitteln. »Vielleicht muss ich mich nach 25 Jahren nicht mehr damit befassen«, sagte Cameron der »Toronto Sun«. Denn seit Jahren streitet die Cameron-Community um die Frage, ob es nicht doch ein Happy End hätte geben können. Damit, so Cameron, solle jetzt Schluss sein.