»Jerichow« - DER SPIEGEL
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Kino in Kürze »Jerichow«

• aus DER SPIEGEL 2/2009
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ist das Melodram zur Wirtschaftskrise. Der deutsche Regisseur Christian Petzold ("Die innere Sicherheit") hat sich für seinen Film von James M. Cains 1934 erschienenem Roman »Wenn der Postmann zweimal klingelt« inspirieren lassen, der die Verzweiflung und Gier der Menschen während der Großen Depression reflektiert und schon mehrfach verfilmt wurde. Cain erzählt von einem arbeitslosen Rumtreiber, der mit der Frau eines griechischen Tankstellenbesitzers eine Affäre beginnt; Petzold hat aus dem Griechen den Türken Ali (Hilmi Sözer) gemacht, aus dem Rumtreiber den Afghanistan-Heimkehrer Thomas (Benno Fürmann) und aus dem depressionsgeplagten Westen der USA den dauerdepressiven deutschen Osten. Ali besitzt im Umkreis der Stadt Jerichow mehr als 40 Imbissbuden und darüber hinaus die schöne Laura (Nina Hoss), die ihn jedoch nicht liebt. In Cains Roman und fast all seinen Leinwandadaptionen erschien Sex als letztes Refugium der Lebenslust in einer trostlosen Welt. Jack Nicholson und Jessica Lange etwa liebten sich 1981 auf dem Küchentisch so heftig, dass frischgebackene Brote zu Boden flogen und dem Zuschauer klar wurde: Sex ist in der Krise das wichtigste Lebensmittel. In »Jerichow« aber hört der Spaß unter der Gürtellinie auf. Thomas und Laura lieben sich mühselig und verstohlen auf dem Boden eines Flurs. Petzold ist Deutschlands protestantischster Regisseur: Wenn seine Figuren sich verzweifelt zu vergnügen versuchen, leidet der Zuschauer mit; arbeiten sie dagegen, machen die Filme Spaß. So sind die Dialoge, in denen Ali die Kniffe des Imbissbuden-Business erklärt, erhellend und amüsant. Damit wird der umtriebige Deutschtürke zum Helden des Films, während die zwei Liebenden die Sympathie des Zuschauers verlieren. Das ist nicht im Sinne des Romans von Cain. Aber womöglich im Sinne des Kampfs gegen den Abschwung. Denn da ist türkisches Zupacken mehr gefragt als deutsches Zaudern.

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