John Sinclair, 82 - Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben John Sinclair, 82

• aus DER SPIEGEL 15/2024
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Leni Sinclair / Getty Images

Wahrscheinlich waren Pop, Politik und Größenwahn nie wieder so eng beieinander wie Ende der Sechziger im linksradikalen Drogenuntergrund der USA: »Ihr wolltet größer sein als die Beatles, ich wollte, dass ihr größer werdet als Mao«, soll der Rock-Impresario, Dichter, Drogenprophet und König der Hippies John Sinclair der Band MC5 hinterhergerufen haben, nachdem sie ihn als Manager herausgeworfen hatten. Darum ging es Sinclair: Hedonismus und Umsturz, Marihuana und Maschinengewehre. Die MC5 waren die Hausband der White Panther Party, die Sinclair mitbegründet hatte und die die militanten Black Panther unterstützen sollte. Wobei die Patronengurte, mit denen er die Detroiter Band ausstattete, eher Schmuck waren: Die eigentlichen Waffen gegen das Establishment sollten schwarze Musik und bewusstseinserweiternde Drogen sein. Die Band entwickelte daraus einen eigenen Sound: sexy, krawallig und mit einem Gespür für Riffs. Ihr Song »Kick Out the Jams«, zuerst veröffentlicht auf ihrem Debütalbum aus dem Jahr 1969, gilt heute als eine Art Ursong des Punk. Sinclair geriet ins Visier der Sicherheitsbehörden. Er wurde angeklagt, 1968 an den Planungen zu einem Anschlag auf ein CIA-Gebäude beteiligt gewesen zu sein. Ins Gefängnis kam er allerdings, weil er einer verdeckten Ermittlerin zwei Joints angeboten hatte. Nach seiner Entlassung war Sinclair als Dichter, Sänger, Musiker, Produzent, DJ und Essayist aktiv. Zeitweilig lebte er in Amsterdam. John Sinclair starb am 2. April in Detroit.

cbu
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