AUSSTELLUNGEN Jugendschutz ist hip
Was verboten ist, gilt als besonders verlockend. Wohl auch deshalb verfallen neuerdings Museen auf die werbewirksame Idee, Kunstausstellungen für Besucher unter 18 Jahren zu sperren. Im Hamburger Kunstverein, der sonst Wert auf eine junge Klientel legt, hält man eine Schau mit Werken des blutig-genialen US-Künstlers Paul McCarthy wegen drastischer Inhalte nicht für jugendfrei. Nicht anders in Zürich, wo in der kommenden Woche das Kunsthaus eine Ausstellung über »Marquis de Sade und die erotische Phantasie des Surrealismus« eröffnet - eine Vitrine mit Schriften de Sades trägt den kuriosen Titel »Skripturales Sperma«. Auch in der Ursula-Blickle-Stiftung in Kraichtal nahe Karlsruhe ist eine Ausstellung jetzt ausdrücklich »für Personen unter 18 Jahren nicht freigegeben«. Der Gastkurator Udo Kittelmann will in seiner Film- und Videoschau einen »kritischen Blick auf die allgemeine Verrohung werfen« - weshalb er sein Projekt wohl »Joy« (Freude) nannte und im Ankündigungstext aus dem Bericht eines Mörders zitiert: »Ich habe eine Handsäge aus der Garage geholt, die Extremitäten angesägt und dann nach vielen vergeblichen Versuchen die Knochen gebrochen.« In der Schau selbst werden eher altbekannte Schocker gezeigt: darunter der US-Film »Henry: Portrait of a Serial Killer« (bis 16. Dezember).