Bild der Woche: Daum und Bush im Einmachglas - DER SPIEGEL
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Bild der Woche Daum und Bush im Einmachglas

Sie finden, in unseren modernen Zeiten wird zuwenig Kompott gemacht? Christoph Daum und George Bush Jr. beweisen das Gegenteil...
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer erinnert sich nicht noch an damals? Mutter stand in der Küche, die Fenster waren beschlagen, Mutters Stirn auch, vom Schweiß, und im blechernen Einmachtopf schmorte das eben noch knackfrische Obst seiner monatelangen Internierung in luftdicht versiegelten Gläsern entgegen. Zu Festtagen wurde das erbärmliche, inzwischen herbstlich verfärbte und unangenehm labberige Kompott dann stolz zum Braten serviert. Und wenn die Zeiten gut waren, gab's sogar noch einen Vanille-Pudding dazu. Paradox, nicht wahr? Erst pflückte man es, freute sich, weil es frisch und saftig war, dann kochte man es mühsam zu entwürdigender Konsistenz ein, um es später, nach genügend langer Lagerung, als Delikatesse zu genießen. Ach ja, die Lust des Menschen, der Natur seinen eigenen, handgemachten Stempel aufzudrücken...

Heute wird Kompott natürlich nicht mehr selbst gemacht. Ehemals saisonbedingte Früchte gibt es ohnehin das ganze Jahr über auf dem Wochenmarkt, und wer auf keinen Fall aufs Eingemachte verzichten will, kann sich im Supermarkt mit maschinell Eingekochtem bedienen. Mutter ist froh, dass die Küchenfenster klar bleiben und geht stattdessen lieber ins Fitness-Studio und in die Sauna. Das Einmachen an sich liegt uns jedoch im Blut. Weil Früchte und andere Gemüse sich nicht mehr anbieten, haben wir uns längst auf größere Organismen gestürzt. Christoph Daum zum Beispiel, der weiß, wovon wir reden. Eingemacht hockt er in der Hitze Floridas, während ihm die Journaille als dicker Gummiring die Luft abpresst. In ein paar Jahren, wenn er genügend lange bei außereuropäischen Drittligavereinen als Fußballlehrer versauert ist, werden wir ihn wieder hervor zerren und fragen: "Was macht eigentlich...?" Welk wird er dann aussehen, und irgendwie labberig.

Ein ähnliches Schicksal droht wohl auch gerade dem Mann, der am Dienstag zum mächtigsten Mann der Welt gewählt werden will. Ein amerikanischer Präsident, der im Knast war? Wahrscheinlich unmöglich, auch wenn's 1976 und nur Ausnüchterungshaft war. Und wieder waren Drogen im Spiel, statt weißem Pulver aus Südamerika frönte George Bush Junior diesmal zwar nur dem Alkohol, aber dennoch...

Was haben wir eigentlich gegen das Zeug? Trinkt nicht jeder gerne abends sein Bier und berauscht sich am vorübergehenden Verlust der Vernunft? Welch Wohltat. Doch das Opium ist wohl wie üblich nur dem Volk vergönnt, nicht aber den Damen und Herren, die, wie es so schön heißt, im Licht der Öffentlichkeit stehen. Aus diesem werden sie dann ja zumeist auch schnell entfernt. Ab ins Einmachglas und Gummi um den Deckel, damit wir uns nachher noch mal weiden können, doppelter Spaß sozusagen. Irgendwie waren Mutters beschlagene Küchenfenster dann doch noch feiner. Und Pudding gibt es auch nicht mehr...