Bild der Woche Was ist das?
Verteidigungsminister Rudolf Scharping will die Bundeswehr um ein Viertel schrumpfen lassen. Vorbei mit den gesicherten Arbeitsplätzen! Aber wer muss gehen? Die Bundeswehr wäre nicht die Bundeswehr, wenn sie da keine patente Lösung parat hätte. Und die geht so: Alle Mann antreten, dann zieht Justitia in Person des Obergefreiten Schulze den alles entscheidenden Kreidestrich. Wehe dem, der jetzt zu kurze Zehen oder zu lange Hacken hat! Und man sieht auch gleich, wen es erwischen wird: Hinter dem dritten Karabiner von vorne verbirgt sich der Unglückliche, dem nun - das versammelte Ungemach aus unehrenhafter Entlassung und Rückkehr in die abgebrochene Dachdeckerlehre vor Augen - das Blut ins Gesicht schießt. Noch ist Schulze vollauf damit beschäftigt, der schicksalhaften Kreidespur eine möglichst gerade Form zu verleihen. Doch noch zwanzig Zentimeter weiter - man kann gar nicht hinsehen.
Zum Glück ist alles halb so schlimm. Die Soldaten gehören, das erkennt man am silbernen "W" auf Schulzens Mütze, zum Wachbataillon der Bundeswehr, das dem US-Präsidenten Bill Clinton am Flughafen Berlin-Tegel einen standesgemäßen Empfang bereiten soll. Und nun wird auch die Bedeutung des Kreidestrichs klar. Sogar militärisch unbefangene Menschen verstehen, dass Flughäfen nicht ganz ungefährlich sind. Da darf sich selbst so ein Wachbataillon nicht einfach hinstellen, wo es will - ganz so drastisch möchte man die Truppe schließlich doch nicht reduzieren. Und deshalb hat das Flugzeug seine Leuchtfeuer, das Bataillon seine Kreidelinie und auch sonst alles seine Ordnung. Unwahr ist allerdings, dass für Clinton ebenfalls ein Kreidestrich gezogen worden ist.