Bild der Woche Was ist das?
Mit dem so genannten Publikum hat man nur Ärger. Mal ist es störrisch und will beispielsweise nicht zur Expo fahren. Und wenn es dann doch kommt, besucht es nicht, wie sich das eigentlich gehört, den deutschen Pavillon, sondern kauft lieber Lakritze bei den Finnen.
Auch beim Fußball gibt es Publikum, was die Sache nicht gerade leichter macht. Ständig wird rumgemeckert: am Bundestrainer, an Lothar Matthäus, am Spiel der Nationalelf. Und wenn sich die Kicker im Hotel mit Bier und fröhlichen Gesängen vom anstrengenden Herumirren auf dem Platz erholen wollen, stehen die Fans mit bösen Plakaten vor der Tür. Typisch Publikum.
Wie viel praktischer wären da die Zuschauer auf unserem Bild. Fachkundig sehen sie aus, sind allzeit interessiert und zugleich immun gegen jede Art von Überreaktion. Vor ihnen könnte man stundenlang Steilpässe in den leeren Raum schlagen, Bälle auf die Tribüne bolzen oder "Anton aus Tirol" singen, ohne dass gleich ein Aufschrei der Empörung durch die Reihen geht. Nein, dieses tolle Publikum könnte der DFB direkt von den Sitzen weg engagieren, um bei den nächsten Länderspielen die deutsche Fankurve zu bestücken.
Vorerst müssen die Vorzeigezuschauer allerdings noch ein paar Wochen in der Bremer "Glocke" bleiben. Dort sind sie nämlich ein Bestandteil der Klang-, Licht- und Rauminstallation "Klangtranstase", mit dem der Berliner Künstler Götz Lemberg die Konzerthalle ausgestattet hat. Übrigens: Zu dem lehrreichen Kunstwerk gehört auch ein Labyrinth, in dem das Publikum - das echte, nicht das gefälschte - direkt hinterm Eingang auf Irrwege geschickt wird. Damit es mal lernt, was es heißt, zwischen den Abwehrreihen der Gegner einen Ausgang zum Tor zu finden.