Bild der Woche Was ist das?
Während die nach der Einheit fast schon nutzlos gewordenen Beamten des BGS inzwischen eifrig zu Neonazi-Bekämpfungseinheiten umgeschult werden, verkümmert der außenpolitische Arm unserer Sicherheitskräfte zum zarten Pflänzchen, das man in freier Natur immer seltener zu sehen bekommt. Die Bundeswehr verschwindet immer mehr aus dem täglichen Blickfeld, man nimmt sie kaum noch wahr.
Wir erinnern uns: Dereinst gehörte es besonders in den Vororten strategisch wichtiger Großstädte zum festen Nachmittagsritual, auf das Donnern der Kettenfahrzeuge auf dem Asphalt der Bundesstraßen zu lauschen, um sogleich in den Vorgarten zu stürmen und die verschwitzten Rekruten in Panzern, Truppentransportern oder zu Fuß vom Übungsplatz kommen zu sehen. Lang ist's her. Die oftmals ganze Gemeinden dominierenden Kasernenstädte der Bundeswehr wurden in den letzten Jahren immer öfter von aggressiv wuchernden Reihenhaussiedlungen verdrängt, ganze Bataillone wurden durch immer radikalere Kürzungen des Wehretats gnadenlos ausgerottet. Das große Ausmustern hatte begonnen, nur noch selten konnte man uniformierte und baretttragende Rekruten in freier Wildbahn oder im Supermarkt beobachten.
Manchmal jedoch hat man Glück, und eines der raren Exemplare robbt unvermittelt an einem vorbei. Da heißt es schnell die Kamera gezückt, denn die verbliebenen Bundeswehrsoldaten gelten als extrem scheu und ängstlich, getrieben von der Scham, überflüssig geworden zu sein, und von der Paranoia, urplötzlich könnte der oberste Dienstherr Rudolf Scharping irgendwo aus dem Dienst-Benz steigen und mit angeborener Seelenruhe neue Hiobsbotschaften über Personalabbau und Budget-Kürzungen verkünden. Immerhin: Für ein treffliches Bild eines Soldaten, so hört man, zahlen Sammler inzwischen schon hohe Prämien, wobei "Panzergrenadiere" wie üblich weniger hohe Preise erzielen als "Jäger" oder "Fernmelder". Die superseltenen weiblichen Exemplare gelten unter Paparazzi als "Scoop" erster Güte.
Vielleicht ist aber doch alles (noch) nicht ganz so schlimm, denn in Wahrheit unternimmt die Bundeswehr so einiges, um beim Volk im Gespräch zu bleiben. So legte sich der auf unserem Bild zu sehende weibliche Oberfeldwebel - warum eigentlich nicht Oberfeldwebelin? - bei einer Informationsveranstaltung in der Dahme-Spree-Kaserne zu Berlin für die Presse in den Dreck, um in voller Ausrüstung den Spaß beim klassischen Schlammrobben zu simulieren.