Bild der Woche: Was ist das? - DER SPIEGEL
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Bild der Woche Was ist das?

Gemischt-geschlechtliches Duschen im hessischen Landestag? Falsch geraten: Berlin erprobt den "Big-Water"-Container.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wo Wasser fließt, ist auch der Wahnsinn nicht fern. Das wussten schon die alten Chinesen, die das Nass zur Folter benutzten. Dazu rasierten sie einem armen Wicht den Schädel, fesselten ihn an einen Pfahl, befestigten über seinem Kopf ein undichtes, mit Wasser gefülltes Behältnis und warteten ab, bis der stete Tropfen dem Opfer Verstand und Zunge gelockert hatte.

Heutzutage wird subtiler gemartert: ARD und ZDF etwa betreiben die Gehirnerweichung durch eine wöchentliche Dosis an Volksmusikübertragungen, die Deutsche Bahn nagt mit Bummelzügen am Nervenkostüm. Wem das nicht genügt, legt selbst Hand an: Er springt, nur gehalten von einem labberigen Gummiband, von Autobahnbrücken, lässt sich für Wochen in Container pferchen oder meldet sich freiwillig als neuer Staatskanzlei-Chef für Roland Koch.

Oder er stellt sich, wie derzeit in Berlin zu erleben, für hundert Stunden unter die Dusche. Dort plätschern seit Mittwoch elf Kandidaten um die Wette, um Preisgeld sowie um die zweifelhafte Ehre, als Weltrekordhalter im Dauerduschen in die Geschichte einzugehen. Doch bevor es so weit ist, wollen mannigfaltige Qualen durchlitten sein: Die Haut verschrumpelt, das Wasser tröpfelt laut und lauter auf die Badekappen, der Wahnsinn naht mit fliegenden Schritten.

Wer der schleichenden Geistesverwirrung am längsten standhält - oder, anders betrachtet, ihr am schnellsten das Hinterstübchen öffnet - der darf nach dem Abtrocknen 10.000 Mark Siegprämie einstreichen. Für die Verlierer bleibt, wie sich das bei einer anständigen Folter gehört, nur ein schlichtes Geständnis: Wir waren Warmduscher.