Bild der Woche Was ist das?
Ohrenschmerzen sind ja ein nicht zu unterschätzendes Volksübel: Lautstark mit ihrem Handtelefon angebende Mitmenschen oder geistlos dahinplaudernde Fernsehmoderatoren tragen schon genug zur Gehörgangerweichung bei. Nun kommt auch noch das Heulen und Zähneknirschen der Euro-Ängstlichen hinzu, die jedes kleinste Zucken des Währungskurses mit fatalistischen Weltuntergangsbekundungen kommentieren. Und das, nachdem wir uns nicht nur längst mit Straßenlärm, sondern sogar dem abendlich krakeelenden Tonband-Hahn des mobilen Eierverkaufskommandos im Wohnviertel gewöhnt haben. Die ganz profane Stille ist schon jetzt ein Luxusartikel.
Die bekannten Hausmittelchen gegen den dumpfen Schmerz, der die klassische Medizin oft ratlos lässt, erregen leider Misstrauen, wenn nicht sogar Ekel. Wer würde sich schon allen Ernstes einen so genannten Schlauchverband- natürlich nur aus der Apotheke ums Ohr legen, nachdem er ihn mit klein gehackten Zwiebeln gefüllt und maßvoll erwärmt hat? Damit ja schließlich nicht genug; denn um die volle Wirkung des überlieferten Schmerzmittels zu entfalten, muss der übelriechende Verband auch noch mit Heilwolle und einer alles zusammenhaltenden Wollmütze bedeckt werden. Widerlich, nicht wahr?
Die angenehmere Lösung liegt eigentlich auf der Hand: Luxusartikel kauft man bekanntlich mit Geld, warum dann die Moneten nicht gleich selbst als Heilmittel verwenden, wie es der junge Mann auf unserem Bild recht eindrucksvoll vorführt. Offensichtlich unbekümmert und angenehm abgeschottet demonstriert er souverän, dass er auf die Euro-Schwäche ebenso pfeift wie auf die Ohrenschmerzen. Dass er sich dabei der momentan stärksten Währung bedient, ist zwar ein weiterer Tiefschlag für das Europa-Geld, aber dennoch logisch: Starker Dollar, starke Wirkung. Zudem sieht Geld im Ohr in der Öffentlichkeit weitaus besser und sozialverträglicher aus, als ein stinkender Verband mit Mütze drüber.
Alles Humbug? Stimmt. Dem abgebildeten Herren geht es um ganz anderes. Anlässlich der Tagung des Internationalen Währungsfonds demonstrierte er zusammen mit mehreren hundert Gleichgesinnten gegen die weit verbreitete Auffassung, Geld regiere die Welt. Ihm hängt der schnöde Mammon nicht zum Hals, wohl aber zum Ohr hinaus. Die dadurch entstandene Stille dürfte er immerhin trotzdem genossen haben...