Bild der Woche: Was ist das? - DER SPIEGEL
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Bild der Woche Was ist das?

Die Ästhetik des digitalen Menschen: Implantierte Speicherchips müssen nicht hässlich sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es kommt ja ohnehin auf uns zu: All das Pin-Code-behaftete Plastik, was wir zurzeit noch im Portemonnaie mit uns herumtragen, wird zwangsläufig seinen Weg unter unsere Haut finden. Viel praktischer ja auch, wenn der Geldautomat schon im Vorbeigehen erkennt, wer man ist und was man will. Keine vergessenen Zahlenkombinationen mehr, keine nach Falscheingabe zerhäckselten Karten mehr, nie wieder Passkontrollen am Flughafen. Alle mehr oder minder wichtigen Informationen - Geschlecht, sexuelle Vorlieben, Kontostand, Hautfarbe und Nationalität - werden in Zukunft einfach auf einem Chip gespeichert, der fortan subkutan für Ordnung im öffentlichen Leben sorgt.

Die Vorstellung, eine schnöde EC-Karte nicht mehr nur am, sondern im Leib zu tragen, behagt natürlich nicht. Die Erotik von Mikrochips kommt, gelinde gesagt, einem Billig-Präservativ aus dem Bahnhofsautomaten gleich. Zudem ist natürlich - wie gewohnt bei revolutionären Neuerungen - zunächst mit starkem Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen. Motto: Kein Techno-Dreck unter meiner zarten Baby-Haut!

Durchaus verständlich. Wissenschaftler proben daher schon mal für den Ernstfall und entwerfen fleißig Konzepte, um den um seine körperliche Integrität fürchtenden Bürger für ihre ehrgeizigen Pläne zu gewinnen. Erste Entwürfe der Chip-Entwickler richten sich subtil an Individualitätssinn und den letzten Rest Schöngeist im Bewusstsein der Menschen. Ansatz: Wenn schon Chip, dann aber bitte ein spezielles Designerstück mit ästhetischem Wert. Slogan: Info-Implantate - Schmuck, der unter die Haut geht. Unser Bild zeigt das besonders üppig gestaltete Modell "Olympia 2000" im Hals einer freiwilligen Testperson, die sich ihren todschicken Mikrochip fortan jederzeit kostenlos beim Röntgenarzt betrachten kann.

Zukunftsmusik? Allerdings. Dem 15 Monate alten Liam Coughrane aus Gosford, Australien, passierte zum Glück nichts, nachdem er die aufregend glitzernde Anstecknadel seines Vaters zuerst von dessen Hut geklaut und dann heruntergeschluckt hatte. Der Anstecker ist das offizielle Olympia-Abzeichen des irischen Teams, komplett mit Ringen und Kleeblatt. Einen heimlich integrierten Mikrochip fanden die Notfall-Chirurgen nicht.