Bunny Surfing: Kangaroo Surfing - DER SPIEGEL
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Bunny Surfing Kangaroo Surfing

Bunny ist in Australien gelandet, entdeckt den wahren Sinn des Surfens und wie sich das anfühlt: der indische Ozean, keine Uhr zu haben und 24 Stunden offline zu überleben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eng war es. Bunny konnte nicht einmal den Kopf auf die Knie legen, nur die Stirn an die Lehne des Vordersitzes: nicht sehr bequem. 19 Stunden Körperkontakt mit einem alten, schmatzenden Engländer, Arm an Arm in der Economy Class. Insgesamt 24 Stunden war Bunny unterwegs. Kein Platz, keine Bewegung, keine Zigaretten und: kein Internet.

Das hatte ihr durchaus Angst gemacht, vor dem Abflug. Seit Jahren war sie nicht mehr so lange offline. Wie würde sie einen ganzen Tag ohne E-Mail und Online-News verkraften? Für den Zigaretten-Entzug gab es Nikotinkaugummis. Aber für den Internet-Entzug? Spannend, spannend.

Doch ans Internet hat sie nicht einmal gedacht. Nicht im Flugzeug, wo es ums reine Überleben zu gehen schien. All die Akrobatik für ein paar Stunden Schlaf, das nasse Tuch auf dem Gesicht für irgendwie erträgliche Luft, die permanente Neuanordnung von Kissen und Jacken für eine halbwegs schmerzfreie Sitzposition - Bunny hatte alle Hände voll zu tun; an Internet war gar nicht zu denken.

Und auch nicht nach der Landung. Australien! Wie oft hatte Bunny all die Webcams und -seiten angeschmachtet, Wetterberichte gelesen und sich durch Stadtpläne gescrollt. Doch mittendrin war alles ganz anders als im besten 3D-Virtual-Reality-Movie - die Hitze, der Linksverkehr, der australische Akzent, die Gerüche, das Meer, der Sternenhimmel flüsterten und sangen ununterbrochen in Bunnys aufgestellte Ohren: du bist nicht im Kino, du bist nicht im Kino, du bist nicht im Kino.

Bunny ist nicht im Kino. Bunny ist in Fremantle, bei Perth, Westaustralien. Ohne Uhr, ohne Handy, ohne Schuhe. Nur Sand. Sie kommt durchaus ins Internet, wenn sie denn will. Aber sie will gar nicht. Nur einmal, nachsehen, wie heiß es heute war: 37°. Da geht man nicht ins Internet, da springt man in den Indischen Ozean. Surfen hat hier einfach einen anderen Sinn.

Und noch was: Praktisch ist das Netz trotzdem, auch hier. Statt zahllose Postkarten in die Heimat schreiben zu müssen, schickt Bunny ihre Berichte per E-Mail. Eine E-Mail an viele Empfänger ist vielleicht etwas faul, doch die Lieben daheim sind ausführlich informiert - very comfy (comfy ist die komfortable Kurzform von comfortable). Very comfy dank Internet.