Kino in Kürze »Kadosh«
Rivka liebt ihren Mann Meïr, und er liebt Rivka. Seit zehn Jahren ist das Paar verheiratet, morgens streichelt Meïr seiner schlafenden Frau zärtlich übers Haar, kurz nachdem er Gott im Gebet dafür gedankt hat, dass der ihn nicht als Frau zur Welt kommen ließ. Denn Meïr und Rivka sind fromme chassidische Juden und leben in Mea Schearim, einem Orthodoxenviertel von Jerusalem. Ihre archaisch anmutende Welt ist winzig und sicher, für alles gibt es Regeln, selbst dafür, ob man am Sabbat Tee aufbrühen darf. Es gibt auch eine Regel für Ehepaare, die nach einem Jahrzehnt noch keine Kinder gezeugt haben: Scheidung. Meïr, sagt der Rabbi, muss sich neu verheiraten, um gläubigen Nachwuchs in die Welt der Ungläubigen zu setzen. Rivka wird verstoßen. Der israelische Filmemacher Amos Gitai hat eine stille, aber rigorose Studie der Frauenverachtung im ultraorthodoxen Milieu gedreht - kein Leinwandpamphlet, sondern eine meisterhafte Tragödie. Das Entsetzen sickert in »Kadosh«, dem dritten Teil einer Trilogie, die in verschiedenen israelischen Städten spielt, wie ein langsam wirkendes Gift ins Herz der Zuschauer.