Kahle Trabanten
Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß (Frankreich, Farbe). »In der modernen Gesellschaft«, davon hat sich Jean-Luc Godard, 37, überzeugt, »ist die Prostitution der Normalzustand.« Denn: »In drei von vier Fällen wird man für eine Arbeit bezahlt, zu der man keine Lust hat.«
Aber er kann es auch nicht ändern. Tastend, zweifelnd, fast verzweifelt spürt Godard den möglichen Ursachen nach: Er filmt die inhumane Tristesse der Pariser Trabantenstädte, dokumentiert kahle Wohnsilos und ihre verkitschten Interieurs; auch ihren gleichgültigen Bewohnern will er unter die Haut.
Godard zeigt die Hausfrau Juliette (Marina Vlady) mit GIs aus Vietnam auf dem Wohlstandsstrich bei der Aufbesserung des häuslichen Budgets, befragt, wie schon in »Masculin -- feminin«, die Suburbin-Mieter nach ihrer »Basis des Lebens« und stellt sich auch selbst in Frage:
»Habe ich recht«, so sinniert er im Kommentar, der seinen Kino-Essay begleitet, »gerade dieses Haus zu filmen und nicht ein anderes,
und gerade in diesem Augenblick und nicht in einem anderen?«
Solche Zweifelsfragen des unsicheren Ästheten, von präziser Verfremdung scheinbar banaler Dinge
Doch ein Jahr nach der Uraufführung (März 1967) hatten sie den rationalen Zweifler überholt und suchten eine Antwort auf den Barrikaden.