Kalter Killer, heiße Affäre - DER SPIEGEL
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LITERATUR Kalter Killer, heiße Affäre

Kalter Killer, heiße Affäre
• aus DER SPIEGEL 52/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vuk ist in seinem Metier ein erstklassiger Mann. Sachlich, umsichtig, effizient. Das letzte Opfer des jungen serbischen Killers war ein kroatischer Nationalist, mit drei Schüssen hat er ihn mitten in einem Zagreber Café getötet. Vuks neuer Auftrag aber fällt aus dem Rahmen: Statt wieder auf dem Balkan zuzuschlagen, soll er die iranische Dichterin Sara Santanda umbringen. Wegen angeblicher Gotteslästerei hat die Islamische Republik Iran ein Kopfgeld von vier Millionen Dollar auf sie ausgesetzt. Im Auftrag dieses Gottesstaates haben ehemalige KGB-Leute, die den serbischen Todesschwadronen nahe stehen, schon den Ort für die Tat geplant; die Dichterin soll bei einem Kurzbesuch in Dänemark sterben. Vuk gilt ihnen dafür als Idealbesetzung, weil er sich vor Ort perfekt auskennt und akzentfrei dänisch spricht: Vor dem jugoslawischen Bürgerkrieg wuchs er als Gastarbeitersohn in Kopenhagen auf. Aber Vuk will nicht für Geld töten. Sein Motiv ist allein abgründiger Hass, seit seine Familie vor seinen Augen von muslimischen Ex-Nachbarn massakriert wurde. Darum stimmt ihn erst das Argument seines Kommandanten um, man werde das Attentat muslimischen Fanatikern zur Last legen und die Dollarmillionen der serbischen Sache widmen: »Wir kriegen das Geld. Die kriegen die Schuld.« Der Däne Leif Davidsen, 51, hat einen unerhört packenden Polit-Thriller geschrieben - inspiriert von einem heimlichen Besuch Salman Rushdies in Dänemark. Sein Roman »Der Fluch der bösen Tat« profitiert davon, daß Davidsen als Auslandskorrespondent die jüngsten Umwälzungen in Ost- und Südosteuropa aus der Nähe verfolgt hat. Das Buch überzeugt mit seiner atmosphärischen Dichte und der psychologischen Glaubwürdigkeit der Helden. Und Davidsens Kommissar Toftlund ist zum Genuss begabt: Er hat eine heiße Affäre mit der Topjournalistin Lise Carlsen, die ein geheimes Treffen mit der Dichterin vorbereitet. Die Spannung gipfelt im Showdown - mit verblüffendem Ausgang.

Leif Davidsen: »Der Fluch der bösen Tat«. Aus dem Dänischen vonPeter Urban-Halle. Paul Zsolnay Verlag, Wien; 344 Seiten; 39,80Mark.

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