Am Rande Kanak-Dada
Die Karwoche bietet Zeit zur Einkehr - und zur Gedankenarbeit wider die herrschenden Verhältnisse. Die Berliner Volksbühne hat dies begriffen und veranstaltet am kommenden Karfreitag »Kanak Attak - Dieser Song gehört uns«. »Kanak Attak«, Pop-Türkisch für Anfänger, ist längst ein durchgesetzter Slogan multikulturellen Selbstbewusstseins. Die Ossis aus Berlin-Mitte aber machen aus der Kampfdevise fremdstämmiger junger Menschen eine Dada-Fanfare zum allgemeinen Aufstand: Einen ganzen Tag lang geht es, so verspricht das Volksbühnen-Programm, gegen die verlogene »Asimil-Kültür-Kanak«, gegen »Kanak Chic« als ideologische Verbrämung des alltäglichen Rassismus und gegen jene »Kanak-Kultur« in den Massenmedien, die die »Migranten« zu »hybriden Subjekten« stilisiert und sie so vom Aufruhr gegen die deutsche Niedertracht abhält. Schon die Presseerklärung des Theaters pflegt die luzide Sprache eines dialektisch geschulten, durchaus vertrackten Asimil-Kanak-Marxismus-Leninismus: »Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger«, heißt es da mit der ganzen Erfahrung von 5000 Jahren Menschheitsgeschichte. Warum sollen Ali und Abdallah da nicht gleich zu Hause bleiben? Weil es, so das Programm, um Strategien der Selbstbehauptung zwischen »Kanakfußball« und »Kanak-Rap« gehen soll. Dafür lassen (unter anderem) DJ Natascha Sadr Haghighian und die European Kanak Resistance an vorderster Front den Plattenteller rotieren, bis den Faschisten die Glatze von der Rübe fällt. Es wird ein wunderbarer Karfreitag werden. Nie wieder soll Harald Schmidt ausrufen, »Üzgür, fahr schon mal den Wagen vor!«