Karlsruhe - alles aussteigen
Den jungen Leuten ist auch gar nichts mehr heilig. Joseph Beuys, verehrtes Idol einer nun schon reifen Künstlergeneration, regt einen Thomas Wachweger nur noch zur Karikatur an: Leukoplaststreifen auf ornamental bemaltem Hintergrund. »Gegen-Bilder« solcher Art, aber auch Gegen-Skulpturen und Gegen-Räume zeigt der Karlsruher Kunstverein jetzt als Belege für ein verbreitetes Künstler-Streben, aus der etablierten Szene auszusteigen. Eine »Partitur für sechs Bilder zur Geschichte der Schöpfung« kommt über das Chaos kaum hinaus, ein Saal ist durch Latten-Wirrwarr versperrt, große Papp-Krallenfüße (von Elisabeth Wagner) greifen aus. Anarchisch-unbekümmert springt der Nachwuchs mit Stilen, Medien und Motiven um und will, wie Aussteller Michael Schwarz behauptet, nur »in Ruhe gelassen werden«. Das kann nicht sein: Mit dem Schritt in den Kunstverein, mag's da auch noch so totenstill zugehen, ist die private Ruhezone schon verlassen.