KARRIERE IN JAPAN - DER SPIEGEL
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KARRIERE IN JAPAN

Zwischen Sauerei und Samurai: Amélie Nothombs Erlebnisse im Fernen Osten
• aus DER SPIEGEL 42/2000
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Als kleines Mädchen wollte sie Gott werden, später Jesus. Mit Anfang 20 muss sie einsehen, dass beide Jobs auf längere Zeit vergeben sind; deshalb fängt die Belgierin Amélie erst mal als Bürokraft an, und zwar - da die Diplomatentochter im japanischen Kobe zur Welt gekommen ist - bei einem japanischen Konzern. Ein katastrophaler Fehler, wie sich schnell herausstellt. Macht sich ihr Chef anfangs immerhin noch die Mühe, ihre kunstvoll formulierten Briefe rituell zu zerreißen, folgt am Ende einer Kette von Demütigungen die letzte Degradierung: zur Klofrau.

Klar, dass »Amélie-san« auch dabei versagt ("No pepa!«, kein Papier, meckern die Herren in japanischem Amerikanisch), klar aber auch, dass die tapfere Heldin das Hygiene-Harakiri durchhält bis zum Schluss - schließlich muss sie das eigene Gesicht wahren und darüber hinaus dem Japaner als solchem beweisen, dass sich auch Europäer quälen können für die Firma. Wie gut, dass sich keine so selbstironisch bemitleiden kann wie Amélie Nothomb, inzwischen 33 und Bestseller-Autorin ("Die Reinheit des Mörders"). Denn trotz des eher wehleidigen Titels - »Mit Staunen und Zittern« - gelingt Nothomb in ihrem autobiografischen Roman zwischen Sauerei und Samurai nicht nur eine satirisch angehauchte Fortsetzung zu Samuel Huntingtons »Kampf der Kulturen«, sondern vor allem ein böses Bild von den Innereien eines Großkonzerns. MARTIN WOLF

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