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Medizin Keine Last

Kosmetische Chirurgie mit Silikon-Polstern hat sich durchgesetzt. Im Gegensatz zur Schönheitsspritze (mit flüssigem Silikon) scheint sie medizinisch weitgehend problemlos.
• aus DER SPIEGEL 3/1974
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Vorher«, gestand die Patientin dem amerikanischen Schönheitschirurgen James L. Baker, habe sie sich »niemals nackt vor einem Mann gezeigt«, und Sex habe sie »immer nur im Dunkeln gemacht«.

Erst nachdem ihr der Arzt die zwei Silikon-Einlagen in die Brüste gepflanzt habe, fühle sie sich »rundherum« als Frau. Die Operation, erläuterte Dr. Baker, sei »inzwischen so problemlos«, daß er sie auch ambulant bei nur lokaler Betäubung vornehme.

Auch in der Bundesrepublik korrigieren von Jahr zu Jahr mehr Frauen die Natur und lassen sich wichtige Zentimeter nachliefern. »Die guten Resultate«, meint Dr. Peter Härtel, Leitender Arzt der Abteilung für Plastische Chirurgie an der Münchner Arabella-Privatklinik, »haben sich herumgesprochen.«

Gesteigerte Lebenslust nach Brustvergrößerungen -- seelische Zugabe zum medizinischen Erfolg -- bestätigt nun eine Untersuchung, die Baker und Irvin S. Kollin, Professor für Psychiatrie an der Universität von Florida, angestellt haben. Von 132 befragten Frauen, die ihre Weiblichkeit mit Silikon verstärkt hatten, bekundeten 80 Prozent »mehr Interesse am Sex« und »mehr Spaß an Liebkosungen der Brust«. Jede zweite der Operierten gab an, sie würde »häufiger Verkehr« und »öfter Orgasmus« haben als vorher.

Bei der Operation wird ein Schnitt unter der Brust oder im Bereich der Achselhöhle gemacht. In die entstehende Tasche schiebt der Chirurg sodann einen Beutel aus Silikon-Kautschuk, der mit Silikon-Gel gefüllt ist. Dann vernäht er den Schnitt. Um die Prothese bildet sich eine »zarte, bindegewebige Kapsel« (Härtel). Nach etwa zwei bis drei Monaten ist der fremde Stoff fest mit dem Körper verbunden.

Gelobt wurden -- wenngleich mit dem Vorbehalt, daß Komplikationen (etwa Vernarbungen> gelegentlich noch vorkämen -- die »Fortschritte auf diesem Gebiet« auch anläßlich der jüngsten Versammlung der Gesellschaft für Plastische Chirurgie in Hollywood. »Verheerend« hingegen nannte das Gremium einstimmig die Auswirkungen einer anderen Methode der Brustvergrößerung: der Injektion von Silikon-Öl, wie sie lange Zeit praktiziert wurde.

»Allein im Umkreis von Las Vegas«, berichtete Klinik-Chefarzt Edward H. Kopf, hätten sich in den letzten zehn Jahren rund 12 000 Frauen »spritzen« lassen. Die Folgen seien oft erst viel später spürbar geworden: Entzündungen, Zysten, Haut- und Gewebeschäden.

»Heller Wahnsinn«, urteilt auch der Münchner Chirurg Härtel über die Silikon-Injektionen, die in der Bundesrepublik »offiziell nicht verboten sind, aber relativ selten gemacht werden«. Erst kürzlich habe er einem Patienten vernarbtes Gewebe aus der Wange entfernt, der sich Silikonöl zur Stärkung des Unterlids hatte einspritzen lassen.

Die einst als »Spritze der Kleopatra« gepriesene Wunderwaffe gegen Falten und Alter -- die US-Schönheitstänzerin Carol Doda machte sie als erste populär -- erwies sich als medizinischer Querschläger: Gespritztes Silikon dringt in die Lymph- und Blutbahnen und kann lebensgefährliche Embolien hervorrufen. Bei Autopsien wurde es mitunter im Herzmuskel oder im Gehirn gefunden -- »kaum noch an der Stelle, wo es injiziert worden war« (Härtel).

Den Mitgliedern der amerikanischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie wurde die Silikon-Nadel schon vor einigen Jahren von der staatlichen Arzneimittelbehörde aus der Hand genommen. Es herrscht striktes Spritz-Verbot -- wenn sich auch Quacksalber und Scharlatane nicht durchweg daran halten.

Auf dem legalen Arzneimittelmarkt jedenfalls spielt Silikonöl seither keine Rolle mehr. Dow Corning in Brüssel, Zweigwerk der gleichnamigen US-Firma und Großlieferant für die plastische Chirurgie, hat alle Silikonöl-Produkte zurückgezogen. Um so heftiger blüht das Geschäft mit Silikon als Gel und in fester Form.

Bei diesen Artikeln liest sich das Angebot der Firma wie ein Versandhaus-Katalog für menschliche Ersatzteile: Ohren und Nasen, Kinn und Busen, Nerven-Manschetten, aber auch Fingergelenke, Eileiter und Hoden -- alles ist als Silikon-Prothese in verschiedenen Größen vorrätig.

Kuriosestes Angebot in Brüssel: eine Penis- Prothese. »Besondere Vorzüge« laut Katalog: »Gibt die nötige Festigkeit zum befriedigenden Eindringen, fällt jedoch beim täglichen Tragen nicht zur Last.«

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