30 Jahre Star Wars Darth Vader hat Heimweh
Los Angeles - Doch während im ursprünglichen Premierenkino, dem Manns Chinese Theatre auf dem Hollywood Boulevard, der englische Zombiefilm "28 Weeks Later" läuft, trafen sich dieses Mal die Fans zur "Celebration 4" für vier Tage im eher nüchtern anmutenden Los Angeles Convention Center. Zwischen dem 13. - 15. Juli können dann in London Fans vom alten Kontinent mit etwas Verspätung den dreißigsten Geburtstag der Saga feiern.
Doch wie feiert man 30 Jahre Sternenkrieg? George Lucas (63), das vielleicht wichtigste Geburtstagskind, entschuldigte sich über die neu gestaltete Website StarWars.com per Videobotschaft, da er gerade an einem anderen Film "über einen Mann mit Hut und Peitsche" arbeite und wohl erst zum nächsten runden Geburtstag vorbeikommen könne. Und auch sonst schien das Staraufgebot für ein so vermeintlich wichtiges Ereignis eher übersichtlich. Gäste wie Carrie Fisher (Prinzessin Leia), Peter Mayhew (Chewbacca) oder Billy Dee Williams (Lando Calrissian) gehören schon beinahe zum Regulärprogramm anderer Events. Vielmehr schien bei geladenen Gästen und Fans der Generationenwechsel wohl der passende Untertitel dieses weltweit größten Fantreffens zu sein.
Denn neben der alten Riege von Darstellern und Mitwirkenden wurden auf diesem Event diverse Fanprojekte vorgestellt, die das Eigenrecycling des Mythos nun selbst noch mal ins Kino bringen. Vormals kleine Spielfilmprojekte wie "Fanboys" oder "25 - 5 - 77" sind von größeren Studios aufgekauft, mit einem Extrabudget unterstützt und kommen noch dieses oder Anfang nächstes Jahr ins Kino. Und die "Celebration 4" bot gleich noch eine Premiere, die für Star-Wars-Fans den Schritt ins nächste Jahrzehnt bedeutet.
Erstmals wurde der Trailer zur neuen animierten Serie "Star Wars - The Clone Wars" gezeigt. Der noch vergleichsweise junge Regisseur Dave Filoni, 38, kämpfte dabei sichtlich mit seiner Aufregung. Doch auch bei den Auftritten der alten Helden ist und bleibt das Thema ein Grund für scheinbar unendlich viele Geschichten und Mythen.
Zum Mülleimer "Open Up" gesagt
Bestes Beispiel war Regisseur Irvin Kershner, 84, der auf der Bühne beim Thema "Das Imperium schlägt zurück" (1980) sichtlich auflebte und von den Fans als Regisseur des populärsten Teils der Saga frenetisch gefeiert wurde. Seine Zusammenfassung der Dreharbeiten klingt auch noch heute nach dem, was bei Blockbustern dieser Art fast zur Gewohnheit geworden ist. "Wir hatten mehr Sex, mehr Geld, mehr von allem", sagt Kershner und liefert gleich noch ein Beispiel für den Superlativ der Saga. "Das führte so weit, das ich hinterher selbst ein wenig den Verstand verloren habe. Einmal habe ich nach einer Essenspause meinen Pappteller wegwerfen wollen und tatsächlich zum Mülleimer 'Open Up' gesagt. Einfach weil ich mich so daran gewöhnt hatte, schon in der Zukunft zu leben."
Eben solche Anekdoten, die noch nicht in unzähligen Büchern oder Bonusmaterialien der DVDs verwertet wurden, liefern für die Fans den Gesprächsstoff, der dann in den nächsten Monaten und Jahren wieder ein paar Bausteine mehr in der großen Geschichtenpyramide vom "Krieg der Sterne" ausmacht. Ein Fantreffen wie die "Celebration 4" ist aber auch die einzige direkte Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen. Und selbst ein Podiumsgast wie Ben Burrt, 59, der für alle Filme die heute legendären Sounds entwickelte, muss sichtlich schmunzeln, wenn ein Fan wissen will, ob das weltbekannte Geräusch von Darth Vader ein Aus- oder Einatmen ist. Und so lernt man, das es die Aufnahme vom Einatmen eines Tauchergeräts ist, die Geräusche von Chewbacca tatsächlich von einem trainierten Bär in San Diego stammen oder das einer der Vistavision-Filmkameras vom Dreh des ersten Krieg-der-Sterne-Films schon bei "Vom Winde verweht" (1939) zum Einsatz kam.
Flugauftritt mit Raketenrucksack
Neben den Panels zu bestimmten Einzelthemen wie Spezialeffekte oder Kostüme versuchten sich die Organisatoren aber auch in eher speziellen Disziplinen. Dabei reicht das Programm dann von Bauchtanzstunden über den Flugauftritt des Kopfgeldjägers Boba Fett mit echtem Raketenrucksack bis hin zu Spielzeugauktionen, Kinderjeditraining oder Roboterrennen.
Auch die Ausstellung "Art of Vader", bei der 66 Independent-Künstler den schwarzen Helm von Darth Vader neu gestalteten, zeigte eine moderne Weiterführung des Filmkults. Der wird, vor allem auf Grund seiner finanziellen Möglichkeiten, wohl noch ewig weiterleben. Dabei reichte ein Blick in die großen Hallen des Convention Center, wo es neben einer eigenen Halle für Merchandising mit allein 45 Kassen auch noch eine weitere Halle mit Ständen diverser Spielzeughändler und offizieller Lizenznehmer gab. Dort war dann nur das Limit der eigenen Kreditkarte die Begrenzung der möglichen Neuanschaffungen, denn von der Sammelkarte für einen einzigen Dollar bis hin zum Hummer-Geländewagen im Star-Wars-Design im fünfstelligen Dollarbereich war alles möglich.
Diesem Motto folgte am Samstag auch der als Sturmtruppensoldat verkleidete Chris Gutierrez, der seiner Freundin Tess kurz nach dem Fotoshooting des Kostümfanclubs der "501st Legion" vor versammeltem Publikum einen Heiratsantrag machte. Unter Tränen und im Licht von diversen Laserschwertern sagte Tess schüchtern "Ja Ich will" und wird diese "Celebration 4" wohl so schnell nicht vergessen.