Aktivisten-Doku "Fuck for Forest" - DER SPIEGEL
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Aktivisten-Doku "Fuck for Forest" Beischlaf der Gerechten

Mit Pornos den Regenwald retten: Das ist das Programm der Öko-Aktivistengruppe Fuck for Forest. Ein gleichnamiger Dokumentarfilm begleitet jetzt den Haufen nackter Hippies - und folgt ihnen bis in eine spektakuläre Katastrophe.
Aktivisten-Doku "Fuck for Forest": Beischlaf der Gerechten
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Aktivisten-Doku "Fuck for Forest": Beischlaf der Gerechten

Foto: Neue Visionen
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Dokumentarfilme können noch so gut gemacht sein, einfühlsam und tiefschürfend - es hilft alles wenig, wenn das Thema nicht knallt. Und ehrlicherweise tut es das bei den meisten Dokus doch eher selten. Es gibt großartige Filme über vergessene Künstler, ausgebeutete Arbeiter und ungerechte Kriege, manche schaffen es vielleicht auf ein paar Festivals, andere ins TV-Spätprogramm, doch der Großteil der Menschen nimmt von ihnen noch nicht einmal Notiz.

Dem polnischen Dokumentarfilmer Michal Marczak ist das mit seinem ersten Film passiert, da ging es um sechs Soldaten auf einem russischen Außenposten in der Arktis. Das war ihm eine Lehre. In seinem zweiten Film geht es um einen Haufen nackter Hippies, die Pornos drehen, um die Welt zu retten. "Fuck for Forest" heißt das Ganze. Bang!

Der Titel ergab sich von allein, denn so nennen sich die Umweltaktivisten selbst und so heißt auch ihre Website , auf der man sich die Sexvideos gegen Gebühr anschauen kann, es sei denn, man hat selbst in einem der Filme mitgewirkt, dann zahlt man nichts.

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Foto: Neue Visionen

Die beiden Gründer, Tommy Hol Ellingsen aus Norwegen und die Schwedin Leona Johansson, zog es vor sieben Jahren nach Berlin, weil sie sich dort weniger Anzeigen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses versprachen. Dort fassten sie auch genug Vertrauen zum Filmemacher Marczak, um sich von ihm ein paar Monate lang begleiten zu lassen. Beim haschvernebelten Diskutieren, beim erstaunlich unkomplizierten Rekrutieren neuer Darsteller, beim Planen großer Projekte, bei haarsträubend unprofessionellen Geschäftsverhandlungen via Skype mit dubiosen Mittelsmännern, und natürlich bei der Kernbeschäftigung, dem Ficken.

Verkappte Sexisten oder missverstandene Idealisten?

Die Basismannschaft bestand während der Dreharbeiten neben den beiden Gründern aus dem Norweger Dany, dem Deutschen Natty und der Inderin Kaajal. Marczak will ihnen nichts Böses und zeigt sie vor allem am Anfang als rührend liebenswerte Truppe von planlosen jungen Leuten, die unbedingt die Welt verbessern wollen und nun ganz euphorisch sind, dass sie doch mal einen Plan haben, so absurd der auch sein mag.

Kleidung und Essen sammeln sie sich aus dem Müll zusammen, damit alle Einnahmen direkt in ein würdiges Weltrettungsprojekt fließen können, sollten sie denn eins finden. Sie predigen freie Liebe und die Liebe zur Natur, und sind immer ganz bestürzt, wenn sie wieder einmal als pornografieverherrlichende Freaks missverstanden werden, wie auf dem Berliner Slut-Walk, bei dem sie als verkappte Sexisten von den anderen Teilnehmern mehr oder weniger vom Gelände gejagt werden.

Es sind tragikomische und angemessen chaotisch gefilmte Szenen, die grenzenlos naive und geltungsbedürftige Weltverbesserer zeigen, die man trotzdem lieb hat, einfach weil sie so fest an ihre Ideale glauben. Man muss sie nicht ernst nehmen, aber sich nur über sie lustig zu machen, wäre unfair.

Und das tut der Film auch nicht, genauso wenig, wie er die Gruppe davon abhält, sich langsam selbst zu demontieren. Vor allem Co-Anführer Tommy gibt sich zunehmend als größenwahnsinniger Sektenführer, der stolz darauf ist, wie hörig er sich seine Leute gemacht hat. Mehr als 400.000 Euro will das Kollektiv gesammelt haben, ohne jemanden zu finden, dem sie das Geld anvertrauen wollen. Ein von den Kameras begleiteter Trip in den Amazonas, wo sie sich endlich an einem Regenwald-Rettungsprojekt beteiligen möchten, gerät dann auch konsequent zur spektakulären Katastrophe.

Die Menschen dort wollen einfach kein Geld von ein paar nackten Europäern mit einer Sex-Website.


"Fuck for Forest". Start: 13.6. Regie: Michal Marczak.