Kult-Komödie "Anchorman 2" Triumph der Deppen
Kult-Komödie "Anchorman 2": Triumph der Deppen
Foto: ParamountEs ist nicht so, dass "Anchorman - Die Legende von Ron Burgundy" die Welt aus den Angeln gehoben hätte, als der Film 2004 in die Kinos kam. Adam McKays Komödie über einen von sich selbst besessenen Nachrichtenmoderator in den siebziger Jahren bekam milde Kritiken, entwickelte sich zum schönen, wenn auch nicht überwältigenden Erfolg in den USA, und wurde vom Rest der Welt ignoriert. Es gab einiges zu lachen, manche erkannten in der knuffigen, aber latent minderbemittelten Hauptfigur eine clevere, aber liebevolle George-W.-Bush-Parodie. Alles in allem ein derb-harmloser Spaß aus der frühen Judd-Apatow-Produktionsschule.
Dass der Film heute als eine der besten Komödien der letzten zehn Jahre gilt, sagt erst mal viel über den Zustand der zeitgenössischen Hollywood-Komödie aus, die seit "Verrückt nach Mary" (und das war vor 16 Jahren) kaum noch wirkliche Klassiker hervorgebracht hat. Aber "Anchorman" war lustig genug, dass der Film über die Jahre via DVD immer mehr Fans gewann und sich um "Die Legende von Ron Burgundy" langsam die eigene Legende vom brillanten Superhit zu ranken begann. Befeuert von Hauptdarsteller und Co-Autor Will Ferrell, der immer wieder betont hat, dass Burgundy seine persönlichen Lieblingsrolle sei und er jederzeit bereit für eine Fortsetzung wäre.
Komödien-Fortsetzung "Anchorman 2": Mehr Brüste, weniger Politiker
Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt gibt es sie. Es sind ein paar Jahre vergangen, sieht aber alles immer noch sehr nach Mitte der siebziger Jahre aus. Ron Burgundy hat seinen Lokalsender in San Diego verlassen und zusammen mit seiner damaligen Konkurrentin und jetzigen Ehefrau Veronica ( Christina Applegate) in New York Karriere gemacht. Sie haben einen sechsjährigen Sohn, moderieren die Nachrichten zusammen, und alles könnte prächtig laufen, wenn Ron nicht gleich zu Beginn wegen chronischer Unfähigkeit gefeuert, wütend Frau, Kind und Stadt verlassen und zurück in San Diego abgehalfterter Killerwal-Show-Moderator werden würde.
Beste Grüße an Fox News
Einen Suizidversuch später ist er aber auch schon wieder in New York, um beim Aufbau des ersten 24-Stunden-Nachrichtensenders GNN auszuhelfen, zusammen mit seinem alten Team aus San Diego: dem dauergeilen Außenreporter Brian (Paul Rudd), dem überchauvinistischen Sportexperten Champ (David Koechner) und dem herzigen, aber zurück gebliebenen Wetteransager Brick (Steve Carell). Zusammen werden sie das Nachrichtengeschäft revolutionieren. Denn warum den Zuschauern die Nachrichten geben, die sie hören sollen, wenn man ihnen auch die Nachrichten geben kann, die sie hören wollen? Also weniger Weltgeschehen und mehr Geschichten über die Großartigkeit der USA, weniger harte Wirtschaftsfakten und mehr Reportagen über Brüste, weniger Politiker-Interviews und mehr live übertragene Highway-Verfolgungsjagden. Es ist der Triumph der Deppen, und plötzlich ziehen alle anderen Sender nach.
Das kann und soll man als Satire auf das sensationslüsterne und nationalkonservative Newsgeschäft verstehen, wie es Fox News populär gemacht hat, aber wie schon in Teil eins ist die Satire hier nicht der Punkt. "Anchorman 2" will nichts anderes, als Lacher generieren und nutzt dafür alle komödiantischen Mittel, die es so gibt: smarte Parodie, billige Furz- und Busen- und Peniswitze, surreal-absurde Farce, respektloser Jungs-bleiben-Jungs-Humor, warmherzige Familienspäße, pausenlose Cameo-Auftritte von irgendwelchen Stars wie Harrison Ford oder Will Smith oder von Komiker-Kollegen wie Tina Fey.
Manches funktioniert, manches nicht. Jede erdenkliche Pointe wird an die Wand geworfen, in der Hoffnung, dass die ein oder andere kleben bleibt. Und das tun auch einige. Aber "Anchorman 2" hat weder einen durchgängigen Tonfall noch ein tatsächliches Interesse an einer Geschichte; das Ganze wirkt eher wie eine Sketch-Show mit lose zusammen hängender Handlung als ein echter Film. Derb und harmlos und auch amüsant. Es ist alles wie beim ersten Teil - überdurchschnittlich, aber kein Klassiker, unterhaltsam, aber nicht unbedingt nötig.
Doch wer weiß, was man in zehn Jahren darüber sagt.
Anchorman - Die Legende kehrt zurück. Start: 30.1. Regie: Adam McKay. Mit Will Ferrell, Paul Rudd, Christina Applegate.