"Anna und der König": Jenseits von Siam - DER SPIEGEL
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"Anna und der König" Jenseits von Siam

Das Remake des weltberühmten Musicals "Der König und ich" kommt als exotischer Kostümfilm mit einem Traumpaar in den Hauptrollen daher: Jodie Foster und Chow Yun-fat treten in die Fußstapfen von Deborah Kerr und Yul Brynner.
Von Olaf Schneekloth
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Heutzutage würde sich jeder Paparazzi für dieses Paar den Zeigefinger wund knipsen. Ein König und eine Lehrerin aus völlig unterschiedlichen Kulturen, die Gefühle füreinander entwickeln, in etwa Di und Dodi des 19. Jahrhunderts - auch wenn die Romanze zwischen König Mongkut und Anna Leonowens weitaus weniger tragisch endete. Der König von Siam (das heutige Thailand) und die viktorianische Lehrerin konnten keiner gemeinsamen Zukunft entgegensehen, weil der asiatische Herrscher schon seinem Land ewige Treue geschworen hat.

Andy Tennants gelungen altmodisches Melodram bemüht sich um politische Korrektheit und ein historisch genaues Bild. Aufatmen kann also, wem die imperialistische Attitüde gegenüber den Asiaten in dem Musical von 1956 Bauchschmerzen bereitete. Bei der aufwendigen Neuverfilmung steht die Annäherung beider Kulturen im Vordergrund. Bevor sich Anna Leonowens und König Mongkut näher kommen, geraten sie erst mal kräftig aneinander. Mongkut hält Anna für überheblich, weil er es nicht gewohnt ist, dass sich eine Frau in seine Angelegenheiten mischt. Umgekehrt kritisiert Anna Mongkuts despotisches Auftreten, seine Vielweiberei und andere Sitten der Siamesen. Aus Kabbeleien werden einige handfeste Streitereien, aus anfänglicher Antipathie wird schließlich Sympathie, Zuneigung und Liebe.

Der Wahrheitsgehalt von Anna Leonowens Tagebüchern wurde oft bezweifelt. Am Leinwandpotenzial der Romanze ändert das jedoch nichts. Eine tragische Liebe in fernen Ländern funktioniert schließlich meistens, die Filmgeschichte weiß ein Lied davon zu singen: "As time goes by". In die Kategorie von "Der englische Patient", "Jenseits von Afrika" oder zuletzt "Titanic", schafft es "Anna und der König" allerdings nicht, weil dem Film zum unverwechselbaren Klassiker die Originalität fehlt.

Chow, den man vornehmlich als Verkörperung des Coolen aus John Woos Hongkong-Actionspektakeln kennt, zeigt sich dabei von einer ganz anderen Seite. Statt mit der Waffe löst er seine Probleme nun mit dem Köpfchen. Jodie Foster trägt nicht nur Häubchen und historische Gewänder zur Schau, sondern die willensstarke Persönlichkeit einer Frau, die ihre Gefühle erst leugnet, aber irgendwann nicht mehr verbergen kann, und sie schließlich akzeptiert.

Regisseur Tennant war schlau genug, das Aufeinanderprallen der beiden Dickschädel immer wieder mit sanftem Humor abzufedern, ohne dabei die konfliktreichen Kulturunterschiede zu verharmlosen. "Anna und der König" ist kein Film für die Ewigkeit, aber für zweieinhalb romantische Stunden reicht es.