Berlinale 2012 Mike Leigh wird Jury-Präsident
Regisseur Mike Leigh: Wirklichkeitsnahe, ungeschminkte und humorvolle Porträts
Foto: ProkinoHamburg/Berlin - Mike Leigh wird Jury-Präsident der Berlinale 2012. Das teilte die Pressestelle der Internationalen Filmfestspiele Berlin am Freitag mit. Leigh habe sich in seiner knapp 40-jährigen Filmkarriere als Autorenfilmer und wichtigster Vertreter des "New British Cinema" etabliert. Leigh gilt als einer der wichtigsten Regisseure des sozialkritischen europäischen Kinos. Seine Filme wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und waren mehrfach im Rennen um einen Oscar.
Leigh wurde 1943 in der Nähe von Manchester geboren. Nach einer Schauspielausbildung und einem anschließendem Bühnenbild-Studium ging er an die London Film School, deren Vorsitzender er heute ist. Zu Leighs besonderer Herangehensweise gehört, dass er seinen Schauspielern viel Raum zur Improvisation und Entwicklung ihrer Charaktere lässt. Er setzt auf Typen statt auf Schönheiten, zeigt wirklichkeitsnahe, ungeschminkte und dennoch humorvolle Porträts der britischen Gesellschaft - und wählt dazu einen harschen, slangreichen Ton.
Sein Debüt als Kinoregisseur feierte Leigh 1972 mit "Freudlose Augenblicke", für den er beim Filmfestival in Locarno den Goldenen Leoparden gewann. In Cannes wurde er 1993 für das Gewaltdrama "Nackt" mit dem Preis für die Beste Regie ausgezeichnet, drei Jahre später gewann er die Goldene Palme für "Lügen und Geheimnisse". Der Film war zudem fünfmal für den Oscar nominiert. Leighs Milieu- und Charakterstudie "Vera Drake" wurde 2004 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Seinen jüngsten Film präsentierte er 2010: "Another Year" überzeugte wiederum die Kritiker, das hochgelobte Rentnerdrama wurde jedoch entgegen den Erwartungen nur für einen Oscar nominiert.
Bei der Berlinale war Leigh selbst mit "Meantime" (1984), dem Kurzfilm "The Short and Curlies" (1988) und "Das Leben ist süß" (1991) zu Gast. Zuletzt präsentierte er 2008 im Wettbewerb die Sozialkomödie "Happy-Go-Lucky". Seit den sechziger Jahren ist Leigh zudem als Bühnenregisseur und Dramatiker tätig und inszenierte über 20 Theaterstücke. Bis Ende Januar 2012 wird sein aktuelles Stück "Grief" an verschiedenen britischen Bühnen gespielt.
Die Berlinale findet im kommenden Jahr vom 9. bis 19. Februar statt. 2011 saß die italienische Schauspielerin Isabella Rossellini der Jury vor.