Berlinale-Eröffnung: "Uns wurde trockenes Brot versprochen"
Berlinale-Eröffnung Exzentriker, Skurrilitäten, Staraufgebot
Berlin - Mit einem schrillen und subversiven Ausnahmefilm ist die diesjährige Berlinale eröffnet worden. US-Regisseur Wes Anderson präsentierte am Donnerstag sein "Grand Budapest Hotel" und brachte sich damit als Erster für einen silbernen oder goldenen Bären in Stellung. Mit dabei war fast der gesamte Cast seiner hochkarätig besetzten Komödie: Bill Murray, Willem Dafoe und Tilda Swinton zeigten sich neben Tony Revolori, Léa Seydoux und Edward Norton auf dem roten Teppich in der deutschen Hauptstadt.
Auf die Frage, warum er denn eine Nebenrolle in dem Anderson-Film angenommen hatte, antwortete Murray gewohnt schlagfertig: "Uns wurden Überstunden, niedrige Löhne und trockenes Brot versprochen." Ob er sich als Stammgast in Andersons Filmen wie ein Vater des Regisseurs fühlt? "Meine Kinder sind nicht so wohl erzogen wie Wes", antwortete der 63-Jährige.
In dem Eröffnungsfilm geht es um die exzentrischen Angestellten und Gäste einer pastellig rosafarbenen Luxusherberge in einem fiktiven osteuropäischen Land. Die ganze Hotelwelt dreht sich um den leutseligen Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes), einen Mord und ein millionenschweres Renaissance-Gemälde - und das alles vor wechselnden politischen Hintergründen von der Machtübernahme durch Faschisten in den dreißiger Jahren bis zur Ausrufung des Kommunismus.
Neben den "Grand Budapest Hotel"-Darstellern fanden sich zu der Gala am Donnerstag noch weitere Prominente ein, darunter der britische Schauspieler John Hurt und Sänger Herbert Grönemeyer. Den deutschen Film vertraten unter anderem Iris Berben, Mario Adorf, Jessica Schwarz, Nina Hoss und Sibel Kekilli. Bei der Garderoben-Frage entschieden sich viele für klassisches Schwarz-Weiß.
Anderson ist bereits zum dritten Mal im offiziellen Festivalwettbewerb dabei. Im Jahr 2002 war er mit "The Royal Tenenbaums" in der Bären-Konkurrenz, drei Jahre später mit "Die Tiefseetaucher". In diesem Jahr treten 20 internationale Filmemacher gegeneinander an. Auch vier Filme aus Deutschland sind darunter - dazu gehören "Zwischen Welten" von Feo Aladag ("Die Fremde") und "Die geliebten Schwestern" von Dominik Graf ("Im Angesicht des Verbrechens").
Filmische Hommage an Hoffman
Bis zum 16. Februar zeigt die Berlinale mehr als 400 Regiearbeiten. Zahlreiche weitere Stars haben sich angekündigt, darunter George Clooney, Matt Damon, Charlotte Gainsbourg, Diane Kruger, Amy Adams, Forest Whitaker, Uma Thurman, Christian Bale und Viggo Mortensen. Zu den Jurymitgliedern gehören auch der zweifache Oscar-Preisträger Christoph Waltz ("Inglourious Basterds", "Django Unchained") und "James Bond"-Produzentin Barbara Broccoli.
Zuletzt hatten die Veranstalter noch den Film "Capote" ins Programm aufgenommen, in dem der vor einigen Tagen verstorbenen US-Schauspieler Philip Seymour Hoffman die Hauptrolle des Schriftstellers Truman Capote spielt. Mit dieser filmischen Hommage werde Hoffman "da sein, unter uns", hatte Schamus im Vorfeld der Festival-Eröffnung gesagt. Hoffman war am Wochenende tot in seiner Wohnung in New York gefunden worden.