Nach offenem Brief von über 200 Filmschaffenden Berlinale bezieht Stellung zu Einladung von AfD-Politikern
Festivalchefs Rissenbeek und Chatrian bei Pressekonferenz zur Berlinale 2024
Foto: Liesa Johannssen / REUTERSDie Einladung einer AfD-Politikerin und eines AfD-Politikers zur Eröffnung der Berlinale hat harsche Kritik aus der Branche hervorgerufen. Mehr als 200 Personen, überwiegend Filmschaffende, zeigten sich in einem offenen Brief »empört« über die Einladungen und warfen der Festivalleitung vor, damit frühere Verlautbarungen gegen Rechtspopulismus zu konterkarieren. Der Brief, über den das US-Magazin »Deadline« berichtet , ist inzwischen nicht mehr aufrufbar.
Nun hat sich die Festivalleitung zu den Vorwürfen geäußert und sich deutlich gegen Rechtsextremismus ausgesprochen. Mitglieder der AfD verträten zutiefst antidemokratische Positionen, die den Werten der Berlinale und deren Mitarbeitenden widersprächen, heißt es in einem auf Englisch verbreiteten Statement auf dem Instagram-Account der Berlinale. Es ist gezeichnet mit dem Namen von Leiterin Mariette Rissenbeek.
Sowohl die Kulturbeauftragte des Bundes, Claudia Roth, als auch der Berliner Senat erhielten Einladungskontingente für die Eröffnungsfeier, heißt es in der Mitteilung weiter. Diese würden an die gewählten Abgeordneten aus allen Parteien im Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhaus vergeben.
AfD-Mitglieder seien in den Bundestag und das Abgeordnetenhaus gewählt worden und daher auch in politischen Kulturausschüssen und anderen Gremien vertreten. »Das ist ein Fakt, und den müssen wir als solches akzeptieren«, hieß es. Das sei der Hintergrund der Einladungen für die AfD-Politiker – ein Hinweis darauf, dass die beiden nicht persönlich eingeladen wurden.
AfD-Politikerin Brinker: Teilnahme an Treffen mit Rechtsextremen
Foto: Fabian Sommer / dpaKonkret handelt es sich bei den beiden Eingeladenen um Kristin Brinker und Ronald Gläser. Brinker ist Landes- und Fraktionschefin der AfD in Berlin und war jüngst wegen ihrer Teilnahme an einem Treffen mit Rechtsextremen in der Wohnung des früheren Finanzsenators Peter Kurth aufgefallen. Sie habe die Feier bald wieder verlassen, weil sie geschockt über das Publikum gewesen sei, teilte sie im Anschluss mit. Ein Parteikollege widersprach prompt. Er habe noch zu »sehr fortgeschrittener Stunde« dort mit Brinker gesprochen. Gläser ist Vizechef der Berliner AfD.
»Wir setzen uns gegen jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung ein und treten konsequent für die Werte einer weltoffenen und liberalen Demokratie ein«, schreibt Berlinale-Chefin Rissenbeek weiter. »Menschen – auch Mandatsträger – die diesen grundlegenden Werten zuwiderhandeln, sind auf der Berlinale nicht willkommen.« Dies werde man deutlich und nachdrücklich in persönlichen Schreiben an die AfD-Vertreter und auch bei anderen Gelegenheiten zum Ausdruck bringen.
In dem offenen Brief hatten die Filmschaffenden der Berlinale Inkonsequenz vorgeworfen: Die Einladungen seien »ein weiteres Beispiel für das feindliche und heuchlerische Umfeld, dem Kunst und Kultur in Berlin und Deutschland ausgesetzt sind«. Man glaube nicht, dass die Berlinale-Eröffnung als sicherer Ort angesehen werden könne für Juden, Frauen, Behinderte, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma sowie weitere Gruppen, die aufgrund ihrer sexuellen Identität oder Orientierung, ihrer Hautfarbe oder Herkunft »von einer anderen rechtsextremen, nationalkonservativen Bewegung in Deutschland verfolgt und ermordet wurden«.
Die Berlinale teilte in ihrer Reaktion mit, »für demokratische Grundwerte und gegen Rechtsextremismus« zu stehen und alle Demonstrationen und andere Initiativen gegen undemokratische Strömungen zu unterstützen. »Wir erteilen rechtsextremem oder rechtspopulistischem Gedankengut eine klare Absage und beobachten mit Sorge, dass Antisemitismus, antimuslimische Ressentiments, Hetze und andere antidemokratische Haltungen in Deutschland auf dem Vormarsch sind.«
Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals der Welt. Die nächste Ausgabe ist vom 15. bis 25. Februar geplant.