Berlinale-Programm Vom Marshallplan zum Weltkino
Berlin - Mit einem Großaufgebot an Filmen und Stars wartet die diesjährige Berlinale auf. Rund 400 Filme und 1152 Vorstellungen werden bei den 54. Internationalen Filmfestspielen im Februar laufen und somit "das Weltkino nach Berlin" holen, wie Festivaldirektor Dieter Kosslick am Montag ankündigte. Schwerpunkt des weltweit größten Publikumsfilmfestivals, das vom 5. bis zum 15. Februar dauert, sei neben Filmen aus Lateinamerika und Südafrika auch die Musik, so Kosslick. Neben zahlreichen Live-Konzerten wird unter anderem der Dokumentarfilm "Rhythm Is It" über die Berliner Philharmoniker und ihren Dirigenten Simon Rattle uraufgeführt.
Um den Berliner Filmfestspielen auch ein wenig Glanz zu verleihen, werden bei der Berlinale unter anderen die Schauspieler Juliette Binoche, Jack Nicholson, Nick Nolte und Bud Spencer sowie die Regisseure Peter Greenaway ("The Tulse Luper Suitcases") und Anthony Minghella erwartet. Eröffnet wird das Festival mit Minghellas Bürgerkriegsdrama "Cold Mountain", das neben 25 weiteren internationalen Produktionen - allerdings außer Konkurrenz - im Wettbewerb der Berlinale zu sehen ist.
"Synchronisiertes Programm"
Kosslick betonte, es sei in diesem Jahr gelungen, das Programm zu "synchronisieren". Zwischen den verschiedenen Sektionen seien zahlreiche Querverbindungen hergestellt worden. So wird etwa im Internationalen Forum des Jungen Films ein Programm aus zehn Filmen südafrikanischer Filmemacher gezeigt, die unter dem Titel "Project 10 - Real Stories From A Free South Africa" entstanden. Der Schwerpunkt Südafrika soll an des Ende der Apartheid vor zehn Jahren erinnern.
Im Zusammenhang mit dem Länderschwerpunkt Lateinamerika ist die Verleihung des Goldenen Ehrenbären an den argentinischen Regisseur Fernando Solanas zu sehen. Ihm zu Ehren wird der Dokumentarfilm "Memoria del saqueo" ("Geschichte einer Plünderung") gezeigt. Der Film thematisiert die Folgen von neoliberaler Politik und Globalisierung in Argentinien. Nach dieser Vorführung werde der Blick auf Lateinamerika ein neuer sein, sagte Kosslick.
Ausgezeichnet werden bei der Berlinale auch der Stummfilmpianist Willy Sommerfeld, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, die Produzentin Regina Ziegler, die Fotografin Erika Rabau und den Filmförderer Rolf Bähr. Sie bekommen jeweils den Ehrenpreis in Form einer Berlinale-Kamera.
In den im diesjährigen Programm stark vertretenen Bereich politischer Filme gehört die neue Reihe "Selling Democracy - Welcome Mr. Marshall". Gezeigt werden 42 Filme, die im Zusammenhang mit dem 1947 beschlossene Marshall-Plan entstanden und unter anderem die Hilfsaktivitäten der Amerikaner dokumentieren. Die über 200 Filme, die zu diesem Thema von europäischen und amerikanischen Regisseuren gedreht wurden, sollen Kosslick zufolge in den nächsten drei Jahren bei der Berlinale "aufgearbeitet werden".
Rebellen in der Retrospektive
Weitere Neuigkeiten sind unter anderem das Programm "14plus" in der Sektion "Kinderfilmfest", das neue Publikumsschichten erschließen soll, sowie der Berlinale Co-Production Market für Produzenten, Filmemacher und Finanziers und die Reihe "Berlinale Special", in der unter anderem die jüngsten Filme der Regie-Altmeister Peter Greenaway und Ermanno Olmi gezeigt werden.
Die "Retrospektive" befasst sich in diesem Jahr mit der wohl kreativsten Phase des amerikanischen Kinos. Das "New Hollywood" leitete ab den späten sechziger Jahren mit Filmen wie "Easy Rider", "Bonnie And Clyde" oder "Taxi Driver" radikal das Ende des tradierten Studio-Systems ein. Regisseure wie Dennis Hopper, Peter Bogdanovich und Robert Altman begründeten den unabhängigen US-Film. Die Retrospektive wird unter dem Titel "New Hollywood 1967 - 1976. Trouble in Wonderland" 66 Filme zeigen, die quer durch alle Genres klassische Erzählformen revolutionierten, darunter auch seltener gezeigte Filme wie der Western "The Hired Hand" von Peter Fonda oder die Generationenstudie "Milestones" von Robert Kramer.
Auch das Panorama widmet sich wie immer eher dem unabhängigen Film, Schwerpunkt ist das Autoren- und Arthousekino. Zu sehen gibt es in diesem Jahr nicht nur Produktionen aus aller Welt, darunter 26 Weltpremieren, sondern auch ein Aufgebot an internationalen und heimischen Schauspielgrößen: Sylvie Testud, Woody Harrelson und Jennifer Jason Leigh haben sich ebenso in Berlin angekündigt wie die deutschen Nachwuchsstars Daniel Brühl und August Diehl. Eröffnet wird das breit gefächerte Programm am 5. Februar: Im israelischen Beitrag "Walk On Water" lüften ein unfreiwilliger Agent und ein blauäugiger Tourist das Geheimnis des "letzten Nazis".
Ganz den Zuschauern gehört wie in jedem Jahr der letzte Berlinale-Tag. Am 15. Februar zeigen alle Sektionen eine Auswahl ihre Filme zu reduzierten Preisen. Kinogänger können sich zudem über eine weitere Neuerung freuen: Für die Wettbewerbsfilme im Berlinale-Palast gibt es in diesem Jahr um 50 Prozent ermäßigte Last-Minute-Karten.