Berlinale-Sieger Akin "Wie auf Drogen"
Berlin - "Man ist voll kaputt, voll fertig, man muss Kopf und Körper wieder in Einklang bringen", erzählte der deutsch-türkische Regisseur am Samstag in Berlin. Er habe nie die Erwartung gehabt, sein Film "Gegen die Wand" könne den Goldenen Bären gewinnen. Er habe die Nachricht von der Preisverleihung, die er bereits am Vorabend vertraulich erhalten habe, echt nicht glauben können, sagte der Regisseur. "Das war völlig surreal, wie auf Drogen".
Seine eigene Jurymitarbeit 2001 bei der Berlinale habe sich sehr positiv ausgewirkt, erzählte der 30-Jährige strahlend. Beim Schreiben des Drehbuchs habe er immer die Stimmen der Jurymitglieder von damals im Hinterkopf gehabt. Er habe immer Vertrauen in die internationale Jury gehabt, dass diese seinen Film richtig sehe.
Durch den Sieg hoffe er, dass seine Filme nicht nur als deutsch-türkische Spartenfilme angesehen würden, sondern dass "endlich diese gewisse Exotik und Etikette gesprengt wird". Allerdings mache er immer Filme, die mit seiner Persönlichkeit zusammenhingen.
Akin räumte ein, ein solcher Preis könne für junge Künstler wie ihn für künftige Arbeiten auch ein Fluch sein. "Ich muss einfach weiter wie bisher machen, auf meine innere Stimme hören." Jetzt drehe er eine Komödie mit dem Titel "Sold Kitchen". "Das ist alles ein bisschen locker und easy." Er wisse noch nicht, wie er mit dem gestiegenen Erwartungsdruck umgehen werde und hoffe, seine beste Arbeit liege noch vor ihm. Jedenfalls freue er sich, dass er mit dem Preis zwei Länder, Deutschland und die Türkei, glücklich mache.
Der türkischstämmige Akin erzählt in seinem Film die stürmische Liebesgeschichte einer jungen Türkin aus Hamburg, die durch eine Scheinehe ihrem konservativen Elternhaus entflieht. Die Entscheidung der Jury wurde mit großer Zustimmung aufgenommen. "Gegen die Wand", einer von zwei deutschen Wettbewerbsbeiträgen, gehörte zu den Publikumslieblingen des Festivals. Insgesamt konkurrierten 23 Filme aus aller Welt im Wettbewerb.
Der Silberne Bär für die beste Schauspielerin ging zu gleichen Teilen an die Südafrikanerin Charlize Theron in dem US-Film "Monster" und die Kolumbianerin Catalina Sandino Moreno in der US-kolumbianischen Produktion "Maria voll der Gnade". Die Oscar-Kandidatin Theron spielt in dem auf wahren Ereignissen basierenden Film "Monster" eine lesbische Serienmörderin. In "Maria voll der Gnade" geht es um zwei junge Mädchen, die versuchen, sich durch Drogenhandel ihr Glück zu erkaufen. Der Film erhielt auch den Alfred-Bauer-Preis zur Erinnerung an den Gründer der Berlinale.
Als bester Schauspieler wurde Daniel Hendler aus Uruguay für seine Rolle in "Lost Embrace" ausgezeichnet. Der Film des argentinischen Regisseurs Daniel Burman erhielt außerdem den Großen Preis der Jury. Er erzählt von der schmerzhaften Begegnung eines jungen Mannes aus Buenos Aires mit seinem einst nach Israel ausgewanderten Vater. Der Silberne Bär für die beste Regie ging an den koreanischen Filmemacher Kim Ki-Duk für sein Porträt einer zerfallenden Gesellschaft in "Samaria".
Einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung erhielt das Schauspieler-Ensemble des schwedischen Beziehungsfilms "Morgengrauen" von Björn Runge. Daneben erhielt der Film die Auszeichnung "Der Blaue Engel" als bester europäischer Film. Für die beste Filmmusik wurde Banda Osiris für die Kompositionen in dem umstrittenen italienischen Film "Primo Amore" von Matteo Garrone ausgezeichnet. Der zweite deutsche Wettbewerbsbeitrag "Die Nacht singt ihre Lieder" von Romuald Karmakar ging leer aus.