Bilder aus Cannes Cancan à la Quentin
Cannes - Tausende von Schaulustigen, Fotografen und Sicherheitskräfte verfolgten am Mittwochabend die Ankunft der Filmprominenz vor dem Festivalpalast nahe der berühmten Strandpromenade Croisette in der südfranzösischen Stadt Cannes.
Nach einer Einigung in letzter Minute mit den seit Wochen protestierenden freien Regisseuren, Schauspielern und Technikern hofft die Leitung des Festivals, dass es nicht zu den angedrohten großen Störaktionen kommt. Die um ihre Arbeitslosenversicherung kämpfenden Intermittents konnten zur Eröffnung prominent mit einer Delegation auf dem roten Teppich zum Festivalpalais vertreten sein und für "Verhandlungen" werben. Sie wollen Cannes als Tribüne nutzen, um medienwirksam gegen ihre empfindlich gekürzte Sozialversicherung zu demonstrieren.
Fotostrecke: Quentin lässt die Puppen tanzen
Die italienische Schauspielerin Laura Morante moderierte die Eröffnungsgala, die förmliche Eröffnungsworte sprach jedoch der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Dem Publikum wurde als erster Film - außer Konkurrenz - Almodóvars jüngstes Werk "La Mala Educación" (Die schlechte Erziehung) gezeigt. Der Erfolgsregisseur ("Sprich mit ihr") beschreibt darin vielfach verschachtelt den sexuellen Missbrauch in einem katholischen Internat. Der in Frankreich sehr populäre Filmemacher wurde in Cannes mit viel Beifall empfangen.
Im Gegensatz zum Geschehen in seinem neuen Film unterhalte er keine sexuellen Beziehungen zu seinen Schauspielern, sagte Almodóvar am Abend vor Journalisten. "Das würde die persönliche Autorität des Regisseurs untergraben". Im Hinblick auf die Protestperformance der Regisseure und Künstler vor dem Festivalpalast sagte er: "Für mich ist nichts weniger erotisch als ein Arbeit suchender Schauspieler oder Techniker." Dass sein Film zur Eröffnung des diesjährigen Filmfestivals in Cannes ausgewählt worden ist, nannte Almodóvar eine "außergewöhnliche Auszeichnung."
Schon zur feierlichen Eröffnung oder für die kommenden Tage haben sich eine Reihe von Stars angesagt, darunter Brad Pitt, Tom Hanks und Nicolas Cage sowie Cameron Diaz und Uma Thurman. Jury-Vorsitzender Quentin Tarantino zeigte sich - nach wochenlangen Gerüchten - erstmals öffentlich mit seiner neuen Geliebten, der amerikanischen Regisseurin Sofia Coppola ("Lost In Translation").
Nach Tarantinos Einschätzung kriselt die Kinokultur überall dort, wo es keine Stars gibt. "Das Publikum geht eben ins Kino, um die Stars zu sehen", erklärte der US-Regisseur ("Pulp Fiction"). Die USA, Indien und Hongkong haben nach seiner Auffassung eine solide Kinoindustrie "mit einem ausgeprägten Star-System". Dort sei das Publikum auch bereit, dafür zu zahlen, "um die Akteure zu sehen, die es liebt." Für Tarantino erfülle sich mit seiner Rolle als Jury-Präsident ein Traum. Sein jüngster Film "Kill Bill, Vol. 2" läuft am Sonntag auf dem Filmfestival, jedoch außerhalb des Wettbewerbs.
Im Hauptwettbewerb um die Goldene Palme, die am 22. Mai vergeben wird, stehen insgesamt 18 Filme. Im Rennen um den begehrten Filmpreis ist die deutsch-österreichische Produktion "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner. Zuletzt waren 1993 und 1997 Filme von Wim Wenders von deutscher Seite im Wettbewerb. Tarantino lobte den jungen österreichischen Regisseur am Mittwoch. Er vertrete eine "deutsche Nouvelle Vague".