"Black and White" Mit Schiffer ins Ghetto
Supermodels wie Claudia Schiffer haben es bekanntlich nicht leicht. Zwar knistern die Dollars kräftig in der Kasse. Doch jeder Versprecher wird genüsslich zitiert, jede potenzielle Liebschaft von der Nation ausgiebig diskutiert, jeder Möbelkauf kritisch kommentiert. Und wer gar die Sparte wechselt und sein Glück beim Film probiert, wird mit Begeisterung niedergeschrieben.
Hämische Kritiken werden auch Claudia Schiffer mit ihrem gerade in den USA angelaufenen Film "Black and White" nicht erspart bleiben. Darin verkörpert sie als Anthropologie-Studentin eine jener privilegierten weißen Frauen der vornehmen New Yorker Upper Eastside, die auf schwarze Kerle scharf sind - und den ganzen "Thrill" der Hip-Hop-Kultur. Um es vorwegzunehmen: Ihre Darstellung wird ihr keine Oscar-Nominierung einbringen. Doch sie bewältigt ihren eindimensionalen Part durchaus ansprechend - und hat den Mut, ein kaltes, blondes Miststück, eine gänzlich unsympathische Figur zu spielen.
Die weiße Bewunderung schwarzer Kultur - dieses Thema ist im Kino schon lange nicht mehr so ausführlich thematisiert worden. Doch Regisseur und Autor James Toback (Drehbuchautor von "Bugsie") gerät das Ganze, pardon, zu schwarz-weiß: Die Schwarzen sind Sänger, Gauner oder Sportler mit Goldkettchen und begehrenswertem Gehänge, die Weißen reich, genussorientiert und ohne eigene Identität.
Dabei ist der Film durchaus lebendig, oft pseudo-dokumentarisch aufgenommen: Nur Claudia Schiffer und ihr Film-Liebhaber - gespielt von Allan Houston, dem stillen Basketball-Star der New York Knicks - bekamen einen fertigen Text. Die anderen improvisierten.
Und die Besetzung kann sich sehen lassen: Brooke Shields erforscht als Dokumentarfilmerin schwarz-weiße Beziehungen, Robert Downey junior gibt ihren schwulen Ehemann. In weiteren Rollen sieht man Mitglieder des Wu-Tan-Clan, den Method Man als Hip-Hopper und Ex-Boxweltmeister Mike Tyson als selbstironischen Philosophen. Seine Auftritte waren die Höhepunkte der New Yorker Premiere - immer wenn er auf der Leinwand auftauchte, kam Stimmung im Kino auf.
Trotz der Promibesetzung wird "Black and White" wohl kein großer Erfolg werden: Die Story ist zu flach, manche Stars sind im Ausland nicht bekannt, viele Anspielungen sind dort nicht zu verstehen. Für Claudia Schiffer aber bot er eine willkommene Gelegenheit, nicht nur - wie in den meisten früheren Projekten - sich selbst zu spielen. Der Graben zwischen Laufsteg und Zelluloid ist wieder ein wenig schmaler geworden.