"Bossa Nova": Liebeswirren und frohe Botschaften - DER SPIEGEL
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"Bossa Nova" Liebeswirren und frohe Botschaften

Es gibt Insider-Jokes und Insider-Filme. Der jüngste Film des brasilianischen Regisseurs Bruno Barretto ist letzteres: gedreht für jene, die Rio de Janeiro kennen und lieben.
Von Simone Mahrenholz
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Zu sehen ist eine Stadt und Schauplätze, die es so nicht mehr gibt - und Stars, die ihre große Zeit hinter sich haben. Und was man also auf der Leinwand nicht sieht, hört, riecht und schmeckt, das muss man phantasieren, erinnern, mit Liebe ausschmücken.

Es geht um die chaotischen Liebes-Wirren von neun sehr unterschiedlichen Personen, sämtlich in Rio ansässig und tagtäglich mit einer der schönsten Naturkulissen der Welt konfrontiert. Anwalt Pedro Paulo, gespielt vom brasilianischen Alt-Schauspielstar Pedro Fagundes, ist verwundet, weil ihn seine Frau für ihren Tai-Chi Lehrer sitzen ließ. Das hindert ihn allerdings nicht, für eine Fremde im Lift zu entflammen. Als er herausfindet, dass sie Mary Ann Simpson heißt und Englisch unterrichtet, meldet er sich für einen Abendkurs an. Miss Simpson ist verwitwet und wird wiederum heftig von ihrem Privatschüler, dem Fußballstar Acacio, beflirtet, der kurz vor einem Wechsel nach Manchester steht.

Die Abende verbringt Mary Ann häufig bei ihrer besten Freundin Nadine, die meist vor dem Computer hockt und mit ihrer unbekannten Liebe Gary im Internet Heiratspläne schmiedet: angeblich ein attraktiver Künstler mit Loft in New York. Sie hat ihn fälschlicherweise informiert, sie sei ein ehemaliges Ipanema-Girl. Was beide nicht wissen: sein Besuch steht unmittelbar bevor. Dann gibt es schließlich noch die umwerfend ehrgeizige Kanzlei-Praktikantin Sharon, Pedro Paulos Halbbruder Roberto und beider Vater Juan: den Chef einer traditionsreichen alten Schneiderei. Eins - Zwei - Drei - los gehen die Liebeswirren: Jeder gegen jeden, arrangiert das Ganze nach dem Prinzip des maximalen Chaos und - der Kulisse von Arpoador Beach und Botafogo Bay angemessen - des größtmöglichen Kitsch- und Herzschmerz-Faktors.

Das alles klingt charmant, zumal es akustisch ausgiebig mit Bossa-Nova, Carioca-Musik und Evergreens von Antonio Carlos Jobim gewürzt ist. Aber so künstlich die Stadt gefilmt ist - unter radikaler Auslassung aller Neubauten - so angestrengt wirken die meisten der psychischen Verwicklungen und Plot-Einfälle. Die Jokes und Schicksalswendungen sind immer einen Hauch zu übertrieben, um glaubwürdig zu wirken - was nicht schlimm wäre, nähme der Film sich weniger ernst und wahrte er mehr ironische Selbstdistanz. Doch selbst die Naturschönheiten Rios haben hier eine seltsam wirkungslose Fernseh- oder Postkartenästhetik - und das, obwohl der französische Ex-Wim-Wenders Kameraman Pascal Rabaud sie filmte.

Bleiben zwei Dinge zu loben: Selbst wider Willen hat man hier immer mal wieder was zu lachen. Und: Der Film ist ein Plädoyer dafür, dass die subversive Kraft der Liebe auch mit höherem Lebensalter nicht aufhört, ihr Recht zu fordern. Dies ist die lebensphilosophische frohe Botschaft des Films - die man am besten zusammen mit einem Flugticket nach Rio in der Tasche konsumieren sollte.

"Bossa Nova". Brasilien 1999; Regisseur: Bruno Barretto; Darsteller: Alexandre Borges, Drica Moraes, Amy Irving, Giovanna Antonelli, Alberto de Mendoza; Verleih: Columbia TriStar; Länge: 95 Minuten; Start: 14.9.2000