Box Office: Cooler als die Polizei erlaubt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Box Office Cooler als die Polizei erlaubt

Polizisten-Schnellboot toppt Piratenfregatte: "Miami Vice" hat in den USA die Karibik-Piraten geschlagen; in Deutschland geistert "Hui Buh" unverdrossen durch die Kinos, hat aber gegen den "Fluch der Karibik 2" keine Chance.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Los Angeles/Hamburg - Die Kino-Adaption der Kultserie "Miami Vice" war ein Wagnis - doch der Erfolg gibt Serien- und Filmregisseur Michael Mann ("Collateral")recht. Am Wochenende holten die beiden Super-Detectives Sonny Crockett und Ricardo Tubbs (gespielt von Colin Farrell und Jamie Foxx) die Karibik-Piraten ein. "Miami Vice"  spielte 25,2 Millionen US-Dollar an den Kinokassen ein, blieb aber dennoch unter den hoch gesteckten Erwartungen, immerhin hat die Produktion 135 Millionen Dollar gekostet. Der Action-Film, der auf der gleichnamigen Achtziger-Jahre-Serie basiert, kommt besonders bei älteren Zuschauern gut an. Wie Universal Pictures ermittelte, waren 62 Prozent über 30 Jahre alt.

Trotzdem haben auch Johnny Depp und seine Freibeuter aus "Pirates of the Carribean: Dead Man's Chest"  noch viel zu lachen. Mit 20,5 Millionen Dollar Einnahmen am vergangenen Wochenende brachte das Piraten-Sequel in den vergangenen drei Wochen 358,4 Millionen Dollar ein. Damit ist das Piraten-Spektakel der Film mit den höchsten Einspielzahlen in der Geschichte des Disney-Konzerns, der "Fluch der Karibik 2" produziert hat, und überholt damit "Finding Nemo", der immerhin 339,7 Millionen eingebracht hatte. Überdies hat der Film gute Aussichten, in den nächsten Wochen die 400-Millionen-Grenze zu durchbrechen.

Disney kann damit sowohl Platz eins, als auch Platz zwei der Liste der höchsten Einspielergebnisse für sich verbuchen. Zwei Jahre musste sich das Publikum gedulden, um einen neuen Film aus der Pixar-Animationswerkstatt sehen zu dürfen. Als es mit "Cars"  endlich soweit war, strömten die Zuschauer in die Kinos. Inzwischen ist der Film zwar nicht mehr in den amerikanischen Top Ten, doch ist er, wie der Internetdienst boxofficemojo meldet, mit mittlerweile 235 Millionen Dollar der Film mit den zweithöchsten Einspielergebnissen.

Zufrieden ist man bei 20th Century Fox mit dem Start der Teenie-Komödie "John Tucker Must Die" , die es mit respektablen 14 Millionen aus dem Stand auf den dritten Platz schaffte. Der Film, der mit einem relativ schmalen Budget von 18 Millionen Dollar produziert wurde, ist für ein junges weibliches Publikum konzipiert. In einer Rolle ist R&B-Sängerin Ashanti zu sehen. Die Story? Vier High-School-Girls rächen sich an ihrem untreuen Boyfriend.

Trotz - zumindest stimmlicher - Starbesetzung eine Enttäuschung war "The Ant Bully" , der neue Animationsfilm von Warner Bros. Obwohl keine Geringeren als Julia Roberts, Meryl Streep und Nicolas Cage den Figuren ihre Stimmen liehen und Tom Hanks den Film produziert hat, flossen nur 8,1 Millionen Dollar in die Kassen. Wahrscheinlich war die geballte Konkurrenz familientauglicher Filme einfach zu hoch an diesem Wochenende: "Der Markt ist überschwemmt, die Kids werden mit Filmen bombardiert", resümierte Warner Bros.-Manager Jeff Goldstein.

Wie erwartet, hoben Johnny Depp und seine Karabik-Piraten auch in Deutschland den den Box-Office-Schatz. Obwohl "Fluch der Karibik 2" die deutschen Charts klar anführt, gestaltet sich die Auswertung der Zahlen des mit extrem vielen Kopien ins Rennen gegangenen Films bisher kompliziert: Fest steht auf jeden Fall, dass der Piratenfilm nach "Ice Age 2 - Jetzt taut's " der zweite Titel in diesem Jahr sein wird, der zum Start mehr als zwei Millionen Besucher in die Kinos lockt. Sicher ist auch, dass es der beste Start eines Films in der Sommersaison überhaupt ist und zugleich der beste Start eines Disney-Films.

Allerdings konnten laut "Blickpunkt: Film" in der Auswertung bisher lediglich 870 Kopien (bei einer von BVI bestätigten Gesamtzahl von 1330 Kopien) berücksichtigt werden. Danach kommt der Erfolgsfilm auf 1,7 Mio. Besucher und erreicht einen Durchschnitt von 1900 Zuschauern pro Kopie. Unsicher ist, ob die noch auszuwertenden Kopien übers Wochenende einen ähnlichen Schnitt gebracht haben. Hochgerechnet würde das weitere 850.000 Zuschauer bedeuten, zu denen man noch die etwa 150.000 Besucher von den Frühstarts am Mittwoch rechnen muss. Trifft das alles zu, dann könnte "Pirates 2" an den bisherigen deutschen Rekordstart von "Harry Potter und der Feuerkelch " mit 2,68 Mio. Besuchern heranreichen. Dabei ist aber nicht zu vergessen, dass dem offiziell an einem Mittwoch gestarteten Film ein Tag mehr zur Verfügung stand.

Nach einem lahmen Start am vergangenen Wochenende, schlägt sich "Hui Buh, das Schlossgespenst"  mittlerweile wacker und baute mit rund 210.000 Besuchern weniger ab als der letztwöchige Spitzenreiter "Ab durch die Hecke" , der ebenfalls auf ca. 210.000 Kinogänger kam.

hoc/AP

Mehr lesen über