Box Office Der Vier-Milliarden-Dollar-Sommer
Los Angeles/Hamburg - Eine solche Umsatz-Summe haben sich die Hollywood-Bosse in ihren kühnsten Träumen ausgemalt, jetzt könnte sie Wirklichkeit werden: Der in der US-Kinobranche sagenumwobene Vier-Milliarden-Dollar-Sommer ist in greifbare Nähe gerückt, derzeit haben die Blockbuster der Saison rund 3,6 Milliarden Dollar eingespielt.
Die Sommer-Saison der amerikanischen Kinobetreiber beginnt traditionell am ersten Mai-Wochenende und endet am Labor Day, dem "Tag der Arbeit", den die Amerikaner am ersten Montag im September begehen. Es sind also nur noch rund drei Wochen übrig, um 400 Millionen Dollar umzusetzen, ein ehrgeiziges Ziel, aber nicht unrealistisch.
Allerdings ist der letzte der großen Sommerblockbuster am vergangenen Freitag angelaufen: "Rush Hour 3" , die zweite Fortsetzung der asiatisch-amerikanischen Polizeipartnerschaft mit Jackie Chan und Chris Tucker, setzte am Wochenende 50,2 Millionen Dollar um. Das ist zwar weniger als "Rush Hour 2" vor sechs Jahren an seinem Startwochenende umsetzte (67,4 Millionen Dollar), aber deutlich mehr als der erste Teil der Reihe von 1998, nämlich 33 Millionen Dollar. Immerhin schuf "Rush Hour 3" mit seinem guten Einstand das viertbeste August-Startergebnis aller Zeiten. Die Actionkomödie startet in Deutschland an diesem Donnerstag.
Auf Platz zwei hielt sich ein weiterer Film aus der Riege der dritten Franchise-Teile, die diesen Kinosommer bestimmen: "Das Bourne Ultimatum" (Deutschlandstart am 6. September) setzte in der zweiten Woche 33,7 Millionen Dollar um. Das ist zwar ein Umsatzminus von 51 Prozent gegenüber der Vorwoche, insgesamt hat der Actionfilm mit Matt Damon aber bereits nach zehn Tagen beachtliche 132,3 Millionen Dollar eingespielt - mehr als der erste Teil, "Die Bourne Identität", insgesamt. Auf Platz drei behauptet sich "Die Simpsons - Der Film", der nach weiteren 11,1 Millionen Dollar gesamt einen US-Umsatz von 152,2 Millionen vorweisen kann.
Das hochkarätig besetzte Fantasy-Abenteuer "Stardust" lief in 2540 Kinos ("Rush Hour 3" = 3778 Kinos) an, kam jedoch nur auf 9 Millionen Dollar Umsatz und landete auf Rang vier. Die aufwändige Verfilmung des Neil-Gaiman-Romans "Der Sternenwanderer" kann mit Michelle Pfeiffer, Robert De Niro, Claire Danes und Sienna Miller aufwarten, fand aber noch nicht sein Publikum. Der Film läuft in Deutschland am 18. Oktober an. Das Hunde-Abenteuer "Underdog" komplettiert die amerikanischen Top Fünf mit 6,4 Millionen Dollar Umsatz in der zweiten Woche.
Die 100-Millionen-Dollar-Marke überwand indes die Komödie "I Now Pronounce You Chuck and Larry". "Harry Potter und der Orden des Phönix" setzte in den USA 272 Millionen Dollar um und ist damit der dritterfolgreichste Film der bisher fünf Filme umfassenden Franchise. Michael Bays Roboter-Spektakel "Transformers" musste zwar die Top Ten verlassen, schaffte aber als vierter Film in diesem Sommer den Sprung über die 400-Millionen-Dollar-Hürde.
Insgesamt setzten die Filme in den Top Ten 135,7 Millionen Dollar um und lagen damit 31 Prozent über dem Vorjahr. Wenn die US-Kinogänger auch in den kommenden drei Wochen so zahlreich in die Multiplexe strömen, könnte der Traum von den vier Milliarden wahr werden. Mit "Superbad" startet nächsten Freitag zwar kein Superblockbuster mehr, aber immerhin der neue Film des Teams, das für den Überraschungs-Hit "Knocked Up" verantwortlich zeichnete. Vielleicht wird die Komödie um zwei verkrachte Highschool-Abgänger ja der entscheidende Umsatzbringer.
In Deutschland wurden die "Transformers" nach einem kurzen Gastspiel an der Spitze wieder von den "Simpsons" abgelöst. An einem insgesamt eher besucherarmen Wochenende kamen Homer und seine Familie auf noch einmal auf rund 370.000 Besucher und summierten ihr Gesamtergebnis somit auf 3,5 Millionen Zuschauer und liegen nur noch knapp hinter "Shrek der Dritte", dem mit 3,7 Millionen Zuschauern erfolgreichsten Animationsfilm des deutschen Kinojahres.
"Transformers" erlebte laut "Blickpunkt: Film" einen Einbruch um mehr als 50 Prozent: Am zweiten Wochenende lockte das Robotermärchen nur noch rund 260.000 Besucher. Das reichte gerade so eben, um sich vor "Harry Potter und der Orden des Phönix" zu platzieren, der auf 250.000 Kinogänger kam und die Sechs-Millionen-Besucher-Hürde übersprang - der erfolgreichste Film des Jahres hinter "Piraten der Karibik - Am Ende der Welt"
Hinter Harry Potter startete "Evan Allmächtig", die mit einem Budget um die 200 Millionen Dollar wohl teuerste Komödie aller Zeiten, mit 346 Kopien. Aber nur 155.000 Besucher interessierten sich für die Fortsetzung von "Bruce Allmächtig" (2003), damals noch mit Jim Carrey. Erstaunlich gut hält sich die romantische Komödie "Von Frau zu Frau" ("Because I Said So"), die mit 110.000 Besuchern exakt dieselben Zahlen erreichte wie am Startwochenende vorvergangene Woche - der Überraschungshit des Sommers.
Schwach startete hingegen "Mimzy - Meine Freundin aus der Zukunft", der mit 123 Kopien nur rund 12.000 Zuschauer anlockte - Platz 14. Knapp dahinter, aber mit deutlich besserem Kopien-Schnitt ging der in 49 Kinos gestartete Film "Angel - Ein Leben wie im Traum" von Francois Ozon an den Start - mit 10.000 Kinogängern, gefolgt von der Dokumentation "Dixie Chicks: Shut up and Sing" mit etwa 9500 Besuchern.
bor/AP