Box Office Ein Präsident ist kein Actionheld
Los Angeles/Hamburg - Computerspiele drohen den klassischen Entertainment-Formaten den Rang abzulaufen, daher ist es nur logisch, dass immer mehr Figuren aus dem Gamer-Universum ihren Weg auf die Leinwand finden. Selbst im Spielgeschehen herumdirigieren kann man sie dann zwar nicht mehr, aber dafür werden sie von echten Hollywood-Stars verkörpert. Die Rolle des Shooter-Helden Max Payne aus dem gleichnamigen Spiel übernahm Mark Wahlberg - und schaffte damit mal wieder einen Box-Office-Erfolg: 18 Millionen Dollar spielte der Thriller von Remake-Spezialist John Moore ("Der Flug des Phoenix") seit Freitag in 3376 Kinos ein, genug für den Spitzenplatz der US-Charts. In Deutschland startet der Film am 20. November.
Auf Rang zwei folgt Vorwochenspitzenreiter "Beverly Hills Chihuahua". Mit 11,2 Millionen Dollar Umsatz hielt die Tierkomödie die Neustarts auf Distanz, obwohl das Frauendrama "The Secret Life of Bees" mit nur 1591 Startkopien auf stolze 11 Millionen Dollar Umsatz und damit nicht nur auf Platz drei kam, sondern auch den besten Kopienschnitt des Wochenendes erreichte.
Einen nicht ganz so gelungenen Start erlebte Oliver Stones hektisch fertig produziertes Biopic "W." über das Leben George W. Bushs. Mit 10,5 Millionen Dollar schaffte es der in 2030 Kinos gestartete Film mit Josh Brolin als scheidender US-Präsident auf Platz vier. Für einen so eindeutig politischen Film ist das ein hervorragendes Ergebnis an der US-Kinokasse. Gemessen an der Öffentlichkeit, die Stones Projekt in den vergangenen Wochen vor dem Hintergrund des Präsidentschaftswahlkampfes genoss, muss man das Ergebnis allerdings als Enttäuschung werten. Anders als bei Action- oder Animationsblockbustern ist bei politischen Dramen und Arthaus-Filmen aber auch eine längerfristige Umsatzsteigerung möglich. Und gewählt wird schließlich erst in zwei Wochen.
Die Top fünf der amerikanischen Charts beschließt der Überwachungsthriller "Eagle Eye", der am vierten Wochenende noch einmal 7,3 Millionen Dollar umsetzen konnte. Die Highschool-Komödie "Sex Drive" kam als vierter Neustart des Wochenendes mit 3,6 Millionen Dollar Umsatz auf Platz sechs.
In Deutschland ändert sich derzeit wenig an der Spitze der Kinocharts, aber immerhin strömten die Besucher mal wieder zahlreicher in die Säle. Laut "Blickpunkt: Film" lockten gleich acht Filme jeweils mehr als 100.000 Zuschauer an. Der Spitzenreiter bleibt nach vorläufigen Zahlen vom Sonntagabend zum nunmehr vierten Mal in Folge die Pixar-Animation "Wall-E" mit 240.000 Zuschauern.
Der in 488 Kinos gestartete "Hellboy - Die goldene Armee" lief hingegen mit nur etwa 200.000 Besuchern an, allerdings hatte sich der erste Teil der Reihe 2004 noch mit 143.645 Zuschauern zufriedengeben müssen. Nach Umsatzzahlen hatte Guillermo Del Toros Comic-Verfilmung indes die Nase vorn: Mit 1,4 Millionen Euro spielte der Actionfilm genauso viel ein wie der drittplatzierte "Baader Meinhof Komplex" (190.000 Zuschauer) und sogar etwas mehr als "Wall-E" (1,3 Millionen Euro).
Die Kinderbuch-Adaption "Krabat" landete mit 180.000 Zuschauern am zweiten Wochenende auf Platz vier, gefolgt vom überraschend erfolgreichen Volksmärchen "Die Geschichte vom Brandner Kaspar": Obwohl nur in 171 vorrangig süddeutschen Kinos angelaufen, kam das Lustspiel mit Michael Bully Herbig auf 160.000 Kinogänger - und erreichte damit laut "Blickpunkt: Film" den mit Abstand besten Schnitt des Wochenendes. Für Regisseur Joseph Vilsmaier ist es der beste Start eines Films seit "Comedian Harmonists", der 1997 mit 331.082 Zuschauern angelaufen war.
Auf Rang fünf landeten die Coen-Brüder mit "Burn After Reading", gefolgt von der mit 378 Kopien gestarteten US-Romanze "Das Lächeln der Sterne" (beide etwa 145.000 Kinogänger). Auch der Kinderfilm "Der Mondbär" meldete sechsstellige Besucherzahlen: In 389 Kinos kam der Zeichentrickfilm auf 115.000 Zuschauer. Außerdem neu in den Top 20: Christophe van Rompaeys Regiedebüt "Neulich in Belgien" startete in 53 Kinos mit 15.000 Besuchern - Rang 13.
bor/AP