Box Office "King Kong" braucht Propaganda
Los Angeles/Hamburg - 50,15 Millionen Dollar am ersten Wochenende, 66,2 Millionen seit vergangenen Mittwoch - von einem so großspurig angekündigten Blockbuster wie "King Kong" hatte sich die amerikanische Filmbranche mehr erhofft. Peter Jacksons Remake des Monster-Klassikers von 1933 startete jedoch weit entfernt von Rekordbrechern wie "Spider-Man", der vor drei Jahren mit 114,8 Millionen Dollar Startumsatz eine neue Bestmarke setzte.
Das produzierende Studio Universal bemüht sich um Optimismus: "Die Erwartungshaltung, was er einspielen würde, basiert auf Ignoranz und einer Reihe von Missverständnissen über einen Dreistundenfilm, der keine Legion von Fans mitbringt", sagte Universal-Vizepräsident Marc Shmuger der Nachrichtenagentur AP. "Dies ist nicht Tolkien. Dies ist nicht die Harry-Potter-Fanbasis."
Auch Box-Office-Forscher Paul Dergarabedian hält die Erwartungen für überzogen: "Von einem Film wie 'King Kong' wird automatisch erwartet, dass er alle möglichen Rekorde bricht. Aber ganz wie bei 'Titanic', der sehr langsam startete, geht es nicht immer um Startwochenenden. Manchmal geht es darum, wie der Film längerfristig läuft."
Tatsächlich startete James Camerons "Titanic" einst mit mageren 28,6 Millionen Dollar, um sich dann mit einem US-Ergebnis von 600 Millionen Dollar zum ewigen Box-Office-Champion zu wandeln. Beim 207 Millionen teuren "King Kong", der in der Presse sowohl wegen seiner visuellen Brillanz als auch wegen seiner anrührenden Dramatik gefeiert wurde, könnte Mund-zu-Mund-Propaganda Ähnliches bewirken. Für einen solchen Effekt spricht die Tatsache, dass die Kartenverkäufe von Freitag auf Samstag um 40 Prozent anstiegen. Ein großer Sprung für einen Nicht-Familienfilm, so Dergarabedian.
In reinen Umsatzzahlen gerechnet konnte Peter Jackson zumindest seinen eigenen "Herr der Ringe"-Film "Die Gefährten" in den Schatten stellen: Das ebenfalls dreistündige Fantasy-Spektakel setzte 2001 47,2 Millionen am ersten Wochenende um. Allerdings sind die Ticketpreise in den USA seitdem um zwölf Prozent gestiegen, so dass der mit 3568 Kopien gestartete "King Kong" am Ende 450.000 Eintrittskarten weniger verkaufte als der erste "Herr der Ringe". Weltweit setzte "King Kong" in den ersten fünf Tagen rund 146 Millionen Dollar um.
Der vor zwei Wochen mit 65,5 Millionen Dollar Umsatz gestartete Fantasy-Film "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia" wurde von "King Kong" auf Rang zwei verbannt, setzte allerdings noch einmal 31,2 Millionen Dollar um (gesamt: 112,5 Millionen). Auf Platz drei der nordamerikanischen Kinocharts startete die Komödie "Die Familie Stone" mit Srah Jessica Parker, Diane Keaton und Claire Danes. Der Film setzte 12,7 Millionen Dollar um.
Der inzwischen in 69 Kinos laufende Western "Brokeback Mountain" steigerte sein Vorwochenergebnis um rund 330 Prozent und kam auf 2,4 Millionen Dollar. Platz acht für den Favoriten bei der Golden-Globe-Verleihung.
Die amerikanischen Kinobetreiber können sich trotz aller Zahlenhuberei über einen satten Aufschwung freuen: Rund 121 Millionen Dollar setzten die Top 12 der Box-Office-Charts am Wochenende um - 22 Prozent mehr als im Vorjahr.
In Deutschland lassen die Kinobesitzer hingegen die Köpfe hängen: "King Kong", mit 723 Kopien gestartet, lockte an den ersten fünf Tagen nach ersten Zahlen etwa 700.000 Besucher in die Kinos, von Donnerstag bis Sonntag waren es laut "Blickpunkt: Film" nur 620.000 Zuschauer. Per se kein schlechtes Ergebnis, aber um der von der Branche erhoffte Glücksbringer zum Jahresende zu werden, wird es wohl nicht reichen.
Auch hierzulande blieb "King Kong" hinter den Startzahlen von "Der König von Narnia" zurück. "Narnia" kam am zweiten Wochenende mit 500.000 Besuchern auf Platz zwei. Unverwüstlich zeigte sich auch "Harry Potter und der Feuerkelch", der trotz Konkurrenz von "King Kong" und "Narnia" weitere 250.000 Tickets verkaufte. Mit nunmehr 6,6 Millionen Besuchern liegt er nur noch 100.000 Zuschauer hinter dem bisherigen Jahresspitzenreiter "Madagascar". "Die Familie Stone" (249 Kopien) startete mit etwa 115.000 Kinogängern auf Platz vier, gefolgt vom Dauerbrenner "Es ist ein Elch entsprungen", der sich mit etwa 90.000 Zuschauern konstant hielt. Neu in den Top Ten: die Oscar-Wilde-Verfilmung "Good Woman", die bei 75 Startkopien etwa 17.000 Besucher verzeichnen konnte.
Insgesamt wurden in Deutschland voraussichtlich 1,9 Mio. Kinotickets gelöst - am "King Kong"-Startwochenende zweifellos eine Enttäuschung, wenn man bedenkt, dass "Harry Potter und der Feuerkelch" allein rund 2,7 Millionen Besucher ins Kino gelockt hatte. Auch hier hofft man nun auf den langen Atem des Riesenaffen.