Box Office: Mäuse machen mit der Maus - DER SPIEGEL
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Box Office Mäuse machen mit der Maus

Trotz Sonnenwetter sahen die Kinogeher schwarz: Batman, der Welt berühmteste Fledermaus, schwang sich an Platz eins der Kinocharts. Der dunkle Ritter war für die Kinobetreiber dennoch nicht die helle Freude: Der Start von "Batman Begins" fiel sowohl in Deutschland als auch in Amerika eher mäßig aus.
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"Batman Begins", Christopher Nolans ambitioniert-bemühtes Action-Drama, übernahm in den USA die Führung. 46,9 Millionen Dollar spielte der Blockbuster des "Memento"-Regisseurs am Wochenende ein. Der Vorwochenspitzenreiter "Mr. and Mrs. Smith"  mit Angelina Jolie und Brad Pitt musste die Flatter machen, kam aber immerhin auf 27,3 Millionen Dollar.

Insgesamt ist die US-Kinobranche ernüchtert: Mag der dunkle Ritter das Böse aus den Straßen Gothams verbannen, die Trübsal über ein Rekordtief an den Kinokassen kann er nicht vertreiben: Das Branchenblatt "Blickpunkt Film" sprach sogar von einem "Box Office-Fluch": Zum 17. Mal in Folge blieben die Einspielergebnisse hinter denen des Vorjahres zurück.

In Amerika macht man das wachsende DVD-, Video- und Pay-per-View-Angebot verantwortlich, das die Zuschauer angeblich zu Hause hält. Dass schlechte Drehbücher und hirnlose Action nicht zum Renommee eines Films beitragen, findet hingegen kaum Erwähnung. Auch "Madagascar" , Platz drei der Chartliste, muss sich den Vorwurf der erzählerischen Flachbrüstigkeit gefallen lassen - auch wenn die Geschichte um neurotische Zootiere, die in die Wildnis reisen, am Wochenende 11,1 Millionen Dollar einspielte und insgesamt bereits auf 147,3 Millionen Dollar kommt.

Auf Platz vier röchelt Darth Vader in "Star Wars: Episode III" der 350 Millionen Dollar-Grenze entgegen. Eingespielt hat das Science-Fiction-Großereignis am Wochenende 9,7 Millionen Dollar. Die Top Fünf beschließt die Sportkomödie "Spiel ohne Regeln" , die Adam Sandler als Football-Coach von Gefängnisinsassen zeigt (acht Millionen Dollar). Neu in den Top-Ten: "The Perfect Man"  mit Heather Locklear, dem einstigen "Denver Clan"-Starlet, das sich hier als leidgeprüfte Single-Frau auf der Suche nach Mr. Right bewährt (5,5 Millionen, Platz sieben).

In Deutschland schwingt sich die Fledermaus zwar ebenfalls an Platz eins der Charts - 210.000 Besucher bei 625 Kopien bleiben allerdings hinter den Erwartungen zurück. Dass der schwarz gewandete Flattermann in Deutschland nicht zu Höhenflügen am Box Office taugt, hat Tradition: "Batmans Rückkehr" passierte 1992 noch nicht einmal die Eine-Million-Zuschauer-Marke.

George Lucas kosmisches Melodram um einen liebestollen Asthmatiker, der zwischen Force und Farce hin und her geworfen wird, belegt mit rund 130.000 Zuschauern Platz zwei. Auch auf Platz drei Kosmisches, allerdings als Klamauk: "Per Anhalter durch die Galaxis" lockte rund 125.000 Zuschauer ins Kino. Auf Platz vier Schnitzeljagd und Zickenkrieg: "Sahara" zeigt Matthew McConaughey und Penelope Cruz auf der Schatzsuche quer durch die Welt und Stillagen (Action, Drama, Romanze). "Das Schwiegermonster" lässt Jane Fonda auf Jennifer Lopez los. Beide Filmen konnten am Wochenende etwa 55.000 Besucher verbuchen.

Neu gestartet sind "Laws of Attraction" , eine mäßig romantische Komödie mit 007-Star Pierce Brosnan und Julianne Moore als Scheindungsanwälte (8000 Kinogänger, Platz elf), das französische Liebesdrama "Die Frau des Leuchtturmwärters" (knapp unter 8000 Besuchern; Platz zwölf) und Emir Kusturicas Romeo-und-Julia-Burleske "Das Leben ist ein Wunder" (rund 5000 Besucher, Platz 16).

Das Sonnenwetter warf einen langen Schatten auf das Kinogeschäft: Nur 800.000 Tickets wurden insgesamt gelöst. Damit hat sich das Umsatzminus im ersten Halbjahr im Vergleich zu 2004 noch einmal vergrößert. Ist es tatsächlich das DVD-Geschäft, das potentielle Kinogänger an die heimischen Fernseher fesselt? Oder liegt es einfach an den deutschen Kassenschlagern wie "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" und "Der Untergang", die Ende 2004 dem deutschen Markt einen Geldsegen bescherten und das neue Kinojahr um so mittelmäßiger aussehen lassen?

Noch ist nicht aller Tage Abend - auch wenn in zwei Wochen die Welt untergeht: Am 29. Juni startet Steven Spielbergs "War of the Worlds" - auf die Einspielergebnisse kann man gespannt sein.

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