Box Office Pixel-Gemüse gegen Action-Whopper
Los Angeles/Hamburg - An diesem Wochenende tobte in den USA mal wieder der Kampf der Blockbuster-Giganten - und endete mit einer Überraschung. Der Animationsfilm "Ratatouille" aus dem Studio Pixar war gegen den vierten Teil der Actionfilmreihe "Stirb Langsam 4.0" angetreten. Klarer Favorit war eigentlich der glatzköpfige Bruce Willis als nimmermüder Cop John McClane. Doch "Ratatouille" schmeckte den US-Kinogängern eindeutig besser.
Am Premierenwochenende landete der Film über eine ehrgeizige Ratte, die unbedingt Chefkoch in einem französischen Feinschmeckerlokal werden will, nach vorläufigen Studioangaben mit 47,2 Millionen Dollar auf Platz eins der US-Kinocharts.
Der vierte Teil der Actionfilmreihe "Stirb Langsam 4.0" fuhr mit 33,2 Millionen Dollar zwar kein schlechtes Ergebnis ein, doch es reichte eben nur für den zweiten Platz. Insgesamt nahm der Film seit Mittwoch 48,2 Millionen Dollar ein.
Platz drei belegte in der zweiten Woche seit der Premiere mit lediglich 15,1 Millionen Dollar die Komödie "Evan Almighty" (Evan Allmächtig) von Tom Shadyac. Im Mittelpunkt der modernen Arche-Noah-Geschichte steht Komiker Steve Carell ("Jungfrau (40), männlich, sucht.."), der sich auf Anweisungen von Gott (Morgan Freeman) gegen die große Flut wappnen soll. In den ersten zehn Tagen spielte "Evan Almighty" 60,6 Millionen Dollar ein - nicht sehr erfolgreich für das Studio Universal. Der Film gehört mit 175 Millionen Dollar Produktionskosten zu den teuersten Komödien, die jemals gedreht wurden.
Flaute für einheimische Ware
Michael Moores neue Dokumentation "Sicko", in der der preisgekrönte Filmemacher das amerikanische Gesundheitssystem kritisch unter die Lupe nimmt, spielte sich mit nur 4,5 Millionen Dollar Einnahmen auf Platz neun.
In Deutschland blieben die Kinogänger "Stirb langsam" treu. Der erste Film der Reihe seit zwölf Jahren belegte laut "Blickpunkt Film mit rund 700.000 Besuchern souverän Platz eins der Charts. Und es könnte noch besser kommen: Denn erst die Endabrechnung, wenn auch die Prewview-Ergebnisse gemeldet werden, wird das ganze Ausmaß des Kino-Erfolges ans Licht bringen. Sicher ist jedoch schon jetzt, dass der vierte Einsatz des New Yorker Cops den bisher besten Start eines "Die Hard"-Films hingelegt hat.
Auch die grüne Welle ist noch nicht vorbei: Vorwochenspitzenreiter "Shrek der Dritte" schlägt sich auch am zweiten Wochenende wacker. Der Familienfilm um das grüne Monster belegte mit 620.000 Zuschauern Platz zwei. "Ocean's Thirteen" landete mit etwa 150.000 Zuschauern auf Platz drei, gefolgt von "Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt", der am sechsten Wochenende noch einmal 140.000 Kinogänger anlockte.
Zwei weitere Neustarts verpassten laut "Blickpunkt Film" den Sprung unter die besten Zehn: "Die Töchter des chinesischen Gärtners" kamen in 41 Kinos auf 10.000 Besucher; "Glück im Spiel" musste sich in 73 Locations mit 8000 Zuschauern zufrieden geben.
Insgesamt haben die deutschen Kinos im ersten Halbjahr 2007 laut dpa ein Minus von rund 10 Prozent und damit eine negative Bilanz zu verzeichnen. Sie wäre noch schlechter ausgefallen, hätten nicht umsatzstarke Filme wie "Pirates of the Caribbean 3", "Spider Man 3", "Shrek der Dritte" oder "Stirb langsam 4.0" die Zahlen nach oben getrieben.
Im ersten Halbjahr hat den deutschen Kinos das gefehlt, was im Vorjahr die damals so schwache Importware ausgleichen konnte: kommerziell erfolgreiche einheimische Produktionen. Zwar triumphierte Ende Februar 2007 das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" mit dem Oscar-Gewinn. Auch auf den großen Festivals von Berlin und Cannes machten deutsche Filme Furore. Doch an den heimischen Kinokassen herrscht bislang wenig Konjunktur für einheimische Ware.
hoc/dpa