Box Office: Schokolade für alle - DER SPIEGEL
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Box Office Schokolade für alle

Die Flaute scheint vorbei: Amerikanische Kinobetreiber freuten sich erneut über ein umsatzstarkes Wochenende. Verantwortlich für den Erfolg war Tim Burtons Neuverfilmung der Erzählung "Charlie and the Chocolate Factory". Deutsche Kinofans flüchteten derweil nach "Madagascar".
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Los Angeles/Hamburg - Roald Dahls skurrile Geschichte des exzentrischen Schokoladen-Fabrikanten Willy Wonka und dem kleinen Jungen Charlie Bucket wurde schon 1971 überaus erfolgreich von Mel Stuart mit Comedy-Star Gene Wilder in der Hauptrolle verfilmt. Nun nahm sich Regie-Exzentriker Tim Burton ("A Nightmare Before Christmas") der Kinderstory an und verpflichtete seinen Lieblings-Schauspieler Johnny Depp als Willy Wonka.

An seinem Startwochenende in den USA und Kanada setzte "Charlie and the Chocolate Factory"  stolze 55,4 Millionen Dollar um. Geschuldet ist dieses überraschend gute Ergebnis wohl einem ganzen Cocktail an Gründen: Zum einen lockt die Aussicht auf einen Ausflug in Tim Burtons visuelle Welten auch erwachsene Kinofans in einen Kinderfilm, zum anderen zieht Johnny Depp das weibliche Publikum an, und dann gab es auch noch eine ganze Menge Kritikerlob und Publicity im Vorwege des Kinostarts.

Während die US-Kritiker sich durchweg positiv über Burtons Neuverfilmung äußerten, beschwerte sich Altstar Gene Wilder darüber, dass es Burton und Depp mit ihrer Schokoladenfabrik nicht um Kinokunst, sondern um schnöden Mammon ginge. Seinem Film hätten die beiden nämlich nichts Kreatives hinzugefügt, polterte der 72-Jährige.

Tatsächlich aber scheint Johnny Depp seinen Willy Wonka so weit abseits von Wilders Version entworfen zu haben, dass US-Medien bereits über gewisse Anspielungen an den gefallenen Popstar Michael Jackson spekulierten: Haarschnitt, Exzentrik, Kinderfimmel - all das passe wie die Faust aufs Auge. Depp dementierte natürlich. Er habe sich vielmehr an der beliebten Comedy-Figur Captain Kangaroo orientiert, und der angeblich Jackson so ähnliche Haarschnitt sei eine Hommage an den verstorbenen Rolling Stone Brian Jones. Für Neugierde bei den Kinogängern dürfte die Debatte dennoch gesorgt haben. Die Kino-Industrie freut sich über das zweite Wochenende in Folge, das ein paar Prozentpunkte über dem Umsatz des Vorjahres liegt.

Ob der Wucht, mit der "Charlie and the Chocolate Factory" angelaufen ist, musste der Spitzenreiter der Vorwoche, die Comicverfilmung ""Fantastic Four", gleich auf den dritten Rang der Box-Office-Charts ausweichen. 22,7 Millionen Dollar nahm das Actionspektakel in seiner zweiten Woche ein und verzeichnet einen Gesamtumsatz von 100,1 Millionen Dollar.

Den zweiten Platz belegt ein weiterer Neustart, die Komödie "Wedding Crashers"  mit Vince Vaughn und Owen Wilson als Chaoten-Duo, das sich bei fremden Hochzeiten einschleicht, um Frauen aufzureißen. Trotz eines "R-Ratings" für Kraftausdrücke und Anzüglichkeiten setzte der Film in den ersten drei Tagen 32,2 Millionen Dollar um.

Rang vier ging an Steven Spielbergs ""Krieg der Welten" (15,1 Millionen Dollar, gesamt: 192 Millionen), Platz fünf gab es für "Batman Begins" (5,62 Millionen Dollar, gesamt: 183 Millionen). Die Top-12 der Box-Office-Charts setzten am Wochenende insgesamt 151,4 Millionen Dollar um, 7,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr.

In Deutschland muss man noch bis zum 11. August auf "Charlie and the Chocolate Factory" warten. Bis dahin erfreut man sich eher an leichten Animationsfilmen, als an spektakulären Action-Blockbustern. Die in den USA so fulminant gestartete Comic-Verfilmung "Fantastic Four" schaffte es hierzulande nur auf den dritten Platz der Kinocharts (431 Startkopien, 160.000 Besucher). Dafür konnte die tierische Dreamworks-Animation "Madagascar" den teilweise sommerlichen Temperaturen trotzen und belegte mit geschätzten 1,2 Millionen Besuchern (813 Startkopien) den ersten Rang. Nach "Star Wars: Episode III" und "Krieg der Welten" ist das der drittbeste Kinostart in diesem Jahr. Der Juli scheint ohnehin in Deutschland ein guter Monat für Animationsfilme zu sein: Vor exakt einem Jahr war "Shrek 2" mit 1,3 Millionen Besuchern angelaufen.

Platz zwei behauptete "Krieg der Welten" mit rund 195.000 Zuschauern, Rang vier ging an die in den USA so erfolgreich gestartete Komödie "Die Hochzeits-Crasher", die hierzulande jedoch nur rund 80.000 Besucher lockte. Hinter den ersten vier Plätzen ist laut "Blickpunkt: Film" ein deutlicher Einbruch in den Zuschauerzahlen zu verzeichnen: Der Fünftplatzierte, "Per Anhalter durch die Galaxis", wurde nur noch von 23.000 Kinogängern gesehen. Dennoch ist auch in Deutschland der Abwärtstrend gestoppt: Am vergangenen Wochenende wurden knapp zwei Millionen Kinotickets gelöst.

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