Box Office Vater, Tochter, Kassenknüller
Til und Emma Schweiger in "Kokowääh": Fast jeder zweite Kinogänger sah zu.
Foto: Warner Bros.Hamburg/Los Angeles - "Hollywood würde weinen", sagte der Kinocharts-Experte der Website Hollywood.com, "wenn sie nicht die 'Avatar'-Ausrede hätten." Vor einem Jahr beherrschte James Camerons 3D-Spektakel "Avatar" die Kinokassen im Januar und Februar, deshalb ist es kein Wunder, dass auch am traditionell schwachen Super-Bowl-Wochenende die Kinoumsätze in den USA deutlich geringer waren als im Vorjahr - das 13. Wochenende in Folge, an dem es im Jahresvergleich bergab ging, wie der Branchendienst Boxofficemojo.com meldet.
Doch die geschätzten 86 Millionen Dollar, die am Wochenende insgesamt umgesetzt wurden, bedeuten auch das schwächste Super-Bowl-Wochenende der letzten 15 Jahre - und nicht in jedem Jahr gab es zu Jahresbeginn einen Hit wie "Avatar".
Für den College-Thriller "The Roommate" bedeutete die relative Flaute an den Kinokassen, dass ein Einspiel von 15,6 Millionen Dollar genügte, um die Spitze der amerikanischen Kinocharts zu erklimmen. "Gossip Girl"-TV-Star Leighton Meester und Minka Kelly spielen zwei Zimmergenossinnen in einem Film, der von der Kritik als Abklatsch von "Weiblich, ledig, jung sucht …" gescholten wurde. Doch die Marktforscher der Verleihfirma analysierten, dass das Publikum von "The Roommate" zu 65 Prozent weiblich und zu 61 Prozent jünger als 21 Jahre war - wahrscheinlich kannten sie den Psychothriller aus dem Jahre 1992 überhaupt nicht.
Vielleicht gab es ja die leise Hoffnung auf ein Stück des "Avatar"-Erfolges, als bekannt wurde, dass James Cameron den 3D-Unterwasser-Actionfilm "Sanctum" co-produziert hat. Doch diese Hoffnungen wurden bitter enttäuscht: Mit eingespielten 9,2 Millionen Dollar blieb "Sanctum" weit hinter dem günstig produzierten Teenagerfilm zurück.
Auf Platz drei der US-Kinocharts hält sich weiter wacker die romantische Komödie "No Strings Attached" mit Natalie Portman und Ashton Kutcher (8,4 Millionen Dollar Umsatz), dicht gefolgt vom Oscar-Favoriten "The King's Speech" (8,3 Millionen) und dem Comic-Actionfilm "The Green Hornet" (6,1 Millionen). Erst dahinter, auf den Plätzen sechs und sieben, finden sich die Spitzenreiter und Top-Neustarts der Vorwoche, der Exorzismus-Thriller "The Rite" (5,6 Millionen) und das Charles-Bronson-Remake "The Mechanic" (5,4 Millionen). Mit "True Grit" auf Platz acht und "Black Swan" auf Rang zehn finden sich zwei weitere Oscar-Kandidaten weiter in den Top Ten.
Nur Schweiger besser als Schweiger
840.000 Zuschauer zum Startwochenende - diese vom Branchenblatt "Blickpunkt:Film" gemeldeten vorläufigen Zahlen bedeuten, dass Til Schweigers neuer Film "Kokowääh" wieder einmal den Geschmack der Zuschauermassen getroffen hat - wenn auch nicht den der Kritiker. 840.000 Kinogänger bescheren der Komödie den besten Kinostart eines deutschen Films seit 2009 und dem Start von "Zweiohrküken" - ebenfalls ein Film von und mit Til Schweiger, wie das Marktforschungsunternehmen Media Control meldet.
Das hervorragende Ergebnis für "Kokowääh", der in 644 Kinos startete, trug kräftig dazu bei, dass am Wochenende erstmals in diesem Jahr insgesamt mehr als zwei Millionen Kinokarten verkauft wurden.
Um den Platz hinter dem Vater-Tochter-Unternehmen Schweiger streiten sich "Black Swan" und "Tron:Legacy". Während der Ballettfilm mit Natalie Portman mit 250.000 Zuschauern das größere Publikum anlockte, erzielte das Computerspektakel mit 210.000 Zuschauern dank 3D-Zuschlägen den höheren Umsatz (2,1 Millionen Euro gegenüber 1,9 für "Black Swan").
Junge Kinogänger brachten "Vorstadtkrokodile 3" und "Rapunzel - neu verföhnt" auf die Plätze vier und fünf der Besucher-Rangliste; die Zuschauer der Buddy-Komödie "Dickste Freunde" an sechster Position dürften hingegen die Pubertät schon erreicht haben. Neu in den Kinos waren neben "Kokowääh" noch die Tier-Dokumentation "Serengeti" (35.000 Zuschauer) und das deutsch-estnische Historiendrama "Poll" (25.000 Besucher) - beide kamen unter die Top 15, verpassten aber die Top Ten.