Box Office: Will Ferrell und die wilden Kerle - DER SPIEGEL
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Box Office Will Ferrell und die wilden Kerle

Wer guckt schon Oscar-Filme, wenn es Kinderfilme und Natur-Dokus gibt? Die Award-Gewinner der letzten Woche liefen in deutschen Kinos mit moderaten Ergebnissen an. Um die Chartspitze wetteifern "Die wilden Kerle" und "Unsere Erde". In den USA punktete Comedian Will Ferrell als Basketballer.
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Hamburg/Los Angeles - Deutschland, ein Kino-Boom-Märchen: Erneut strömten am Wochenende rund 2,2 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos. Der Aufwärtstrend an den Kinokassen ist seit Anfang des Jahres ungebrochen und hält selbst an, wenn es keine Super-Blockbuster zu sehen gibt.

Das sind gute Aussichten für Roland Emmerichs Steinzeit-Drama "10.000 BC" , das am kommenden Donnerstag anläuft. Das Mammut-Spektakel ist das erste große Kino-Event des Jahres.

Doch zuvor hätte eigentlich die Stunde der Filmkunst schlagen können, denn vergangene Woche liefen mit "No Country For Old Men", "Michael Clayton" und "I'm Not There" gleich drei oscarnominierte und - prämierte US-Filme an, keiner der drei hatte jedoch das Zeug, an die Spitze der Charts vorzustoßen.

Gemessen an dem mageren Einspielergebnis von P.T. Andersons vielbesprochenen und hochgelobten Öl-Drama "There Will Be Blood", das bereits vorvergangene Woche anlief (seitdem knapp 60.000 Zuschauer), profitierten die Award-Gewinner durchaus von der kostenlosen Oscar-Promotion: Laut Fachmagazin "Blickpunkt: Film" konnte der als "bester Film" ausgezeichnete Coen-Brüder "No Country for Old Men " mit mutigen 129 Kopien immerhin 105.000 Besucher anlocken (Platz sechs). George Clooney kam mit dem Anwaltsdrama "Michael Clayton " auf 95.000 Zuschauer, allerdings mit fast doppelt so vielen Kopien wie "No Country", daher Platz sieben. Die Bob-Dylan-Biographie "I'm Not There " schaffte es mit 46 Kopien und 20.000 Zuschauern gerade noch so eben in die Top 20.

Ein Wettkampf um Platz eins der deutschen Kinocharts liefern sich derzeit noch die Naturdoku "Unsere Erde" und der Kinderfilm "Die wilden Kerle 5". Nach Umsätzen liegt "Unsere Erde" mit 2,2 Millionen Eure bei 360.000 Besuchern eindeutig vorne, "Die wilden Kerle" verfügen mit 380.000 Zuschauern und 1,9 Millionen Euro Umsatz aber über mehr Zulauf.

Dahinter platzierte sich der Neustart "Meine Frau, die Spartaner und ich" ("Meet the Spartans"), der mit 304 Kopien rund 300.000 Kinogänger anlockte (2 Millionen Euro Umsatz). Auf Platz vier schaffte es der US-Actionfilm "8 Blickwinkel ", der mit 436 Kopien auf rund 200.000 Zuschauer kam. Til Schweigers ausdauernde "Keinohrhasen" verharren mit 125.000 Besuchern am elften Wochenende auf Platz fünf.

Magerer Umsatz für letzte New-Line-Komödie

In den amerikanischen Kinocharts gab es einen Wechsel an der Spitze, der jedoch spektakulärer ausfallen sollte, ginge es nach den Erwartungen der Studiobosse. Doch als hätte sich die Nachricht von der Auflösung des Filmstudios New Line Cinema durch Warner Bros. am Box Office niedergeschlagen, startete die New-Line-Komödie "Semi-Pro" zwar auf dem ersten Platz, aber nur mit einem schwachen Umsatz von 15,2 Millionen Dollar - die schwächste Nummer eins seit dem Jodie-Foster-Thriller "Die Fremde in Dir" mit 13,5 Millionen Dollar im September letzten Jahres.

Und dass, obwohl der erklärte Publikumsliebling Will Ferrell ("Die Eisprinzen") die Hauptrolle als chaotischer Basketball-Profi inklusive Afro-Frisur bestreitet. Ein Grund für die verhaltene Resonanz an der Kinokasse könnte das von der Prüfstelle verhängte "R-Rating" sein, das dem in 3121 Kinos gestarteten Film die jugendlichen Fanmassen verweigert, denn ein R-Rating verlangt bei Jugendlichen unter 17 die Anwesenheit eines Elternteils.

Vorwochenspitzenreiter "8 Blickwinkel" ("Vantage Point") büßte 43 Prozent seines Umsatzes ein und rutschte mit 13 Millionen Dollar auf Platz zwei. Auf Rang drei halten sich "Die Geheimnisse der Spiderwicks" mit 8,7 Millionen Dollar. Erst hinter dem Familienfilm konnte sich der Neustart "The Other Boleyn Girl" ("Die Schwester der Königin") mit Scarlett Johansson und Natalie Portman platzieren. Das Historiendrama setzte in 1166 Kinos auf 8,3 Millionen Dollar um. Komplettiert werden die ersten fünf Plätze vom Superhelden-Drama "Jumper", das nach weiteren 7,6 Millionen Umsatz nun bei insgesamt 66,8 Millionen Dollar liegt und damit erfolgreichster Film des laufenden Kinojahres in den USA ist.

Auch in den nordamerikanischen Kinocharts profitierten die Award-Gewinner von der Oscar-Show: "No Country for Old Men" wurde von 1101 auf 2037 Kopien aufgestockt und kehrte mit vier Millionen Dollar Umsatz zurück in die Top Ten (Platz neun). Mit 69,6 Millionen Dollar US-Umsatz ist der Spätwestern der erfolgreichste Film in der Karriere der Coen-Brüder. "Juno" hielt sich mit 3,35 Millionen Dollar auf Platz zehn. Mit einem Gesamtumsatz von 135,1 Millionen Dollar liegt die überraschend erfolgreiche Komödie von Fox Searchlight nunmehr auf Rang 16 der erfolgreichsten Titel des Jahres 2007.

bor/AP