Box Office Wir sind Päpstin
Los Angeles/Hamburg - Geschichte zahlt sich aus, das wissen Buchautoren ebenso wie Filmemacher und TV-Strategen. Vor allem der Historienschinken garantiert fast immer solide Zielgruppenkontakte. "Die Päpstin" war erst ein süffiger Geschichtsroman, jetzt ist er reif für die Leinwandverwertung. Sönke Wortmanns Verfilmung mit Johanna Wokalek ("Der Baader-Meinhof-Komplex") startete ordentlich: Laut Branchenmagazin "Blickpunkt:Film" sahen 340.000 Kinogänger in 461 Kinos den Mix aus Geschichtslektion, Emanzipationsdrama und Liebesgeschichte.
Dahinter landete das von Jerry Bruckheimer produzierte Meerschweinchen-Sonderkommando "G-Force - Agenten mit Biss". Der Animationsfilm kam auf 270.000 Zuschauer (etwa die Hälfte sahen den Klamauk in 3-D), dicht gefolgt von Simon Verhoevens "Männerherzen" (265.000 Besucher).
Bully Herbigs Kinderfilm "Wickie und die starken Männer" verabschiedete sich an diesem Wochenende vorerst aus den Top drei. Mit rund 200.000 Kinogängern ist die Verfilmung des Zeichentrick-Klassikers allerdings nach zwei Monaten immer noch gut im Rennen und dürfte in Kürze die Fünf-Millionen-Besucher-Marke überschreiten. Pixars "Oben" beschließt die Top Fünf mit 170.000 verkauften Tickets.
Die Neueinsteiger "Kuddelmuddel bei Pettersson & Findus", "Orphan - Das Waisenkind" von Regisseur Jaume Collet-Serra ("House of Wax") und die Independent-Romanze "(500) Days of Summer" lockten jeweils rund 30.000 Besucher an.
Paranormaler Kinoerfolg
In den USA ließ derweil "Paranormal Activity" gespenstische Erfolgprognosen zu: Am vierten Wochenende wurde die Präsentation des Horrorfilms im Stil von "Blair Witch Project" von 763 auf 1945 Kinos ausgeweitet und eroberte mit 22 Millionen Dollar die Spitze des Box Office. Insgesamt kommt der Film bereits auf 62,5 Millionen Dollar - angesichts eines Budgets von angeblich gerade mal 15.000 Dollar ein enormer Erfolg.
Es mag an der Konkurrenz aus dem eigenen Genre gelegen haben, dass es für den sechsten Teil des "Saw"-Franchises nur für 14,8 Millionen Dollar in 3.036 Kinos und damit den zweiten Platz reichte. Eine Schlappe verglichen mit den vorherigen vier Filmen, die jeweils mehr als 30 Millionen Dollar umgesetzt hatten. Sogar das Einspielergebnis des ersten Films wurde unterboten: Der war 2004 mit rund 18 Millionen Dollar gestartet - bevor die Horror-Reihe zum weltweiten Erfolg wurde.
Deutlich bergab ging es für den Vorwochenspitzenreiter "Wo die wilden Kerle wohnen" (Originaltitel: "Where the Wild Things are"). Hatte die aufwendige Kinderbuch-Verfilmung von Spike Jonze ("Being John Malkovich") in der Vorwoche noch 33 Millionen Dollar eingespielt, waren es an diesem Wochenende nur noch 14,4 Millionen Dollar in 3.735 Kinos.
Vampire ohne Biss
Dahinter landet der Actionthriller "Das Gesetz der Rache" (Originaltitel: "Law Abiding Citizen") mit Gerard Butler ("Gamer") als Rächer im Kampf gegen die amerikanische Justiz. Die Independent-Produktion von F. Gary Gary ("The Italian Job") spielte in ihrer zweiten Woche 12,7 Millionen Dollar in 2.890 Kinos ein. Den Abschluss der ersten Fünf bildet die romantische Komödie "All Inclusive" (Originaltitel: "Couples Retreat") mit Vince Vaughn, die auf 11,1 Millionen Dollar Einspielergebnis kam.
Der zweite Neueinsteiger der Woche, das animierte Superhelden-Abenteuer "Astro Boy", setzte sieben Millionen Dollar in 3.014 Kinos um und kam auf Rang sechs.
Zwei Plätze weiter findet sich eine besonders missglückte Premiere: "Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire" (Originaltitel: "Cirque du Freak: The Vampire's Assistant") von Regisseur Paul Weitz ("About a Boy") kam auf 6,3 Millionen Dollar und lief in 2.754 Kinos.
Der Verleih hatte wohl gehofft, mit der Vampirgeschichte an den Erfolg von "Twilight" anknüpfen zu können. Die Blutsaugerschmonzette basiert ebenfalls auf einem Roman ("Bis(s) zum Morgengrauen"), hatte aber 2008 zum Auftakt sensationelle 69,6 Millionen Dollar eingespielt.
Der neue Film mit Oscar-Preisträgerin Hilary Swank ("Million Dollar Baby"), die Biografie einer legendären amerikanischen Pilotin, enttäuschte ebenfalls. "Amelia" kam mit 6,3 Millionen Dollar in 818 Kinos noch nichtmal in die Top Ten.