Cannes: "Eureka" - Meisterliches Epos vom Außenseiter - DER SPIEGEL
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Cannes "Eureka" - Meisterliches Epos vom Außenseiter

Shinji Aoyama gehört zu den führenden Figuren des sogenannten "New Japanese Cinema", ist aber außerhalb der Festivalkreise eher unbekannt. Umso überraschender, ein episches Low-Budget-Roadmovie von ihm im Wettbewerb zu finden, das durchaus Außenseiterchancen auf die Goldene Palme hat.
Von Stephen Locke
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Eines vorweg: Die Zuschauer, die bis zum Ende dieses 3 Stunden und 37 Minuten dauernden Werkes ausgehalten haben, bedankten sich beim Regisseur und dem ganzen Team mit lang anhaltenden "Standing ovations", offenbar ein Ausdruck der Solidarität und Bewunderung für die wunderschöne, unprätentiöse Geschichte. "Eureka" ist wohl der menschlichste und zärtlichste Film der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes.

Aoyama zeichnet nicht nur für Regie, Drehbuch, Dialoge und Schnitt, sondern sogar (zusammen mit Isao Yamada) für die unaufdringlich-schöne Musik verantwortlich. Er beschreibt "Eureka" als "eine Art Gebet für den modernen Menschen, der auf der Suche nach dem Mut zum Weiterleben ist."

Am Anfang des Films, der in einem leicht sepiagetönten Schwarzweiß gehalten ist, blickt das Schulmädchen Kozue auf das weite Land, das sich vor ihr ausbreitet, und sagt, "Eine Flutwelle wird kommen und uns alle wegspülen."

Im Südwesten Japans wird an einem heißen Sommervormittag ein Bus von einem verzweifelten Amokläufer entführt. Nur drei Personen überleben das Blutbad: der Busfahrer Sawai Makoto (Koji Yakusho), das Mädchen Kozue (Aoi Miyazaki) und ihr etwas älterer Bruder Naoki (Masuru Miyazaki). Der traumatisierte Makoto, der unter Schuldgefühlen leidet, weil er überlebt hat, verschwindet, um zwei Jahre später bei der Familie seines Bruders wieder aufzutauchen. Die beiden Kinder sind noch stärker traumatisiert: Nach dem Überfall verlässt die Mutter die Familie, der Vater stirbt bald darauf. Die Kinder ziehen sich in ihre eigene Traumwelt zurück. Sie reden mit niemandem, scheinen aber gedanklich miteinander kommunizieren zu können.

Als in der dörflichen Gegend eine Frau umgebracht wird, verdächtigt man Makoto des Mordes. Bei seinem Bruder ist er daraufhin nicht mehr willkommen. Er zieht zu den verwaisten Kindern und wird zu einer Art Ersatzvater. Hinzu kommt auch noch Akihiko (Yohichiroh Saitoh), der Vetter der Kinder. Schließlich kommt Makoto auf die Idee, dem Haus des Traumas zu entfliehen und eine Reise in einem zum Wohnmobil umgestalteten Bus zu unternehmen. Am Ende dieser Reise steht für alle ein möglicher Neubeginn.

Regisseur Aoyama sagt über seinen Film: "Ein Verbrechen wird plötzlich begangen, als wäre es eine Naturkatastrophe. Es verändert das Leben dreier Personen, die bisher ein ganz normales Leben führten. Es ist, als ob sie von einer endlosen Flutwelle verfolgt würden, die sie daran hindert, ihr Gleichgewicht wieder zu finden. Am Rande der Verzweifelung treten sie eine Reise der Wiederbelebung an."