Belgische Künstlerin Chantal Akerman ist tot
Chantal Akerman (2011): Insgesamt umfasste ihr Werk circa 40 Kinofilme
Foto: Matt Carr/ Getty ImagesSie galt als eine der eigenwilligsten Filmemacherinnen ihrer Generation - jetzt ist Chantal Akerman im Alter von 65 Jahren gestorben. Das berichten französische Medien.
Akerman wurde am 6. Juni 1950 in Brüssel als Tochter polnisch-jüdischer Emigranten geboren. Ihre Mutter und ihre Großeltern wurden nach Auschwitz deportiert - eine biografische Familienerfahrung, die Akermans Werk später prägen sollte.
1967 schrieb sich Akerman an der belgischen Filmschule ein, verließ sie aber wenige Monate später aus der Überzeugung, nichts hinzulernen zu können; später lebte sie in Paris und New York. Die Bekanntschaft mit den Experimentalfilmern Michael Snow und Jonas Mekas wurde prägend für ihre Filmarbeit. Von ihnen lernte sie eigenem Bekunden zufolge, Filme zu machen, "deren Handlung nicht ihr Motor und ihre Rechtfertigung sind".
Nach ersten Erfolgen mit Kurzfilmen wurde die Künstlerin eine der Schlüsselfiguren des feministischen Kinos, die sich durch ihre experimentelle Filmsprache immer wieder vom unterhaltenden Erzählkino distanzierte. "Man kann nur dann wirklich eine Wirkung erzielen, wenn man den Film als Bruch versteht - Bruch mit den traditionellen Formen, Auflösung und Aufhebung dieser Formen", erklärte die Filmemacherin 1990 selbst im "Rheinischen Merkur".
Bekannt wurde Akerman etwa mit Werken wie dem Frauenporträt "Jeanne Dielman" oder "Nuit et jour", in dem sie 1991 eine Dreiecksliebesgeschichte zeigte. Künstlerisch prägte sie zudem die Auseinandersetzung mit dem Holocaust: Als Versuch, die eigene Erinnerung zu erfinden und ein Loch zu füllen, das Akerman empfand, da ihre Mutter nie ein Wort über das Konzentrationslager verlor, entstand 1988 "Histoires d'Amérique". In diesem Film beobachtete die Regisseurin amerikanische Juden, die zur ersten Generation der Flüchtlinge zählen, die vor dem Pogrom fliehen konnten.
Aber auch ganz andere Genres interessierten die Filmemacherin: 1996 drehte die Regisseurin die Liebeskomödie "Eine Couch in New York", in der sich ein introvertierter New Yorker Psychoanalytiker (William Hurt) in eine Pariser Tänzerin (Juliette Binoche) verliebt. Und 2001 adaptierte sie frei den "La Prisonnière"-Stoff aus dem monumentalen Werk von Marcel Proust. Insgesamt umfasste ihr Werk circa 40 Kinofilme, dazu kommen zahlreiche Dokumentar- und Kurzfilme.
Noch in diesem Jahr war die Künstlerin mit einer experimentellen Videoinstallation aus mehreren Leinwänden auf der Biennale in Venedig vertreten gewesen.