"Collateral Damage": Knallerbsen in Kolumbien - DER SPIEGEL
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"Collateral Damage" Knallerbsen in Kolumbien

Was lange währt, ist noch lange nicht gut: Nach dem 11. September wurde der neue Schwarzenegger-Film verschoben - Jetzt kommt der Action-Streifen über den rächenden Feuerwehrmann doch noch in die Kinos. Leider.
Von Wiebke Brauer
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So wollen wir es doch: Der Feuerwehrmann springt mit den Worten "Ich geh' da rein" beherzt in die Flammen, um eine brennende ältere Dame zu retten, und sein Kompagnon ruft: "Nein, tu' es nicht! Du bist verrückt!" Da weiß man, dass man im neuen Arnold-Schwarzenegger-Film sitzt und reibt sich vorfreudig die Hände - um sie allerspätestens hundert Minuten später über dem Kopf zusammenzuschlagen. Denn "Collateral Damage", der Film, dessen Starttermin auf Grund der Terroranschläge vom 11. September um vier Monate verschoben wurde, verspricht zwar das Übliche, aber hält noch nicht einmal das.

Verschoben wurde der Film wegen seiner Story: Feuerwehrmann Gordy Brewer (Arnold Schwarzenegger) verliert seine Frau und seinen kleinen Sohn bei einem Bombenanschlag auf die kolumbianische Botschaft in Los Angeles. Als sein Verlust von Terroristen lapidar als "Kollateralschaden" bezeichnet wird und die Ermittlungsbehörden keine Ergebnisse liefern, sieht er rot. Rachlustig macht er sich nach Kolumbien auf, um für Gerechtigkeit zu sorgen.

Die Produktionsfirma Warner Bros. war der Ansicht, man könne den Zuschauern am 5. Oktober (so der ursprüngliche Starttermin) keinen Film zumuten, der sich um einen Terroranschlag dreht - eilig wurde die Werbetrommel wieder zum Schweigen gebracht. Doch jetzt hängen die Plakate wieder. Verschwunden sind Schlagzeilen wie "Attentäter noch immer frei" oder "Frau und Kind von Feuerwehrmann in Bombenexplosion", stattdessen flattern auf dem Filmplakat jetzt zwei Kriegshubschrauber neben Schwarzeneggers Kopf. Damit kann man nichts falsch machen.

Erstaunlicherweise bietet das Drehbuch des Films dennoch einige bemerkenswerte, wenn auch nicht neue Aspekte zum Thema Terror und Gegenwehr. So muss Gordy Brewer im Laufe seines Rachefeldzuges erkennen, dass die klaren Umrisse seines Feindbildes verschwimmen: Seine eigene Wut unterscheidet sich nicht von der des Attentäters (Cliff Curtis), der "El Lupo" genannt wird. Nun ist weder der schwachsinnige Spitzname noch die Gemeinsamkeit zwischen dem Guten und dem Bösen ein filmisches Novum, Letzteres erscheint im aktuellen Kontext aber zumindest in einem Ulrich-Wickertschen Licht.

Der andere vermeintlich interessant Aspekt ist die zwielichtige Figur des CIA-Mannes Brandt (De Niro fürs Grobe: Elias Koteas), der die Rolle des unfähigen Geheimdienstes verkörpert: Brandt, dessen langjährige Aufgabe es war, die kolumbianischen Guerrilla-Kämpfer im Zaum zu halten, wird nach dem Attentat vorgeworfen, den Krieg in die USA geholt zu haben. Eigenmächtig reist er nach Kolumbien zurück und greift das Dorf der Widerständler an - brutal, aber erfolglos. Eine Vertiefung dieses zwiespältigen Charakters scheint Regisseur Andrew Davis ("Ein Perfekter Mord") nicht für nötig erachtet zu haben - damit es am Ende mit dem Semi-Bösen nicht zu kompliziert wird, wird Brandt trotz relativer Größe seiner Rolle in Sekundenschnelle abgeknallt.

Dieses Pappkameraden-Schicksal teilt er mit jeder interessanten Figur in "Collateral Damage". John Turturro ("O Brother, Where Art Thou?"), von dem man sich angesichts seines Mitwirkens in diesem Film ohnehin fragt, ob er sich verlaufen hat, spielt für zehn Minuten den perversen Mechaniker Armstrong und verschwindet dann wieder von der Bildfläche. Kollege John Leguizamo ("Moulin Rouge!") wird als rappender Kokain-Produzent eingeführt und kurz darauf sang- und klanglos erschossen. Bleibt zu hoffen, dass die beiden zumindest gut für ihren Auftritt als Knallerbse bezahlt wurden.

Bis zum bitteren Ende bleibt natürlich Arnold Schwarzenegger am Leben, der immer sichtbarer älter wird, sich aber trotzdem seit "Last Action Hero" jegliche Ironie verkneift. Zumindest sorgt er als Gordy Brewer immer dann für Heiterkeit, wenn er aus überdimensional amerikanisch beflaggten Kaffeebechern trinkt oder das zerknirschte Eheweib des von ihr verratenen Attentäters mitfühlend fragt, ob "es denn gehen" wird. Seine Frage bezieht sich zwar generell auf ihren Gemütszustand, fällt aber dummerweise in dem Moment, als sie sich justamente aufmacht, um die sanitären Anlagen zu benutzen. Da kommt fäkale Freude auf.

Als Letztes bliebe es noch, sich über die schlecht inszenierten Action-Sequenzen zu mokieren, denen man höchstens nachsagen kann, dass man ihnen nicht ansieht, wie viel sie gekostet haben. Für jeden, der es sich dennoch nicht nehmen lassen will, den Film zu sehen, kann nur der Satz des Feuerwehrkollegen der ersten Minute gelten: "Nein, tu' es nicht!"

"Collateral Damage - Zeit der Vergeltung" ("Collateral Damage"). USA 2001. Regie: Andrew Davis; Buch: Ronald Roose, David und Peter Griffith; Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Elias Koteas, Francesca Neri, Cliff Curtis, John Leguizamo, John Turturro; Produktion: Bel Air Entertainment, Hacienda Productions, Warner Bros.; Verleih: Tobis/StudioCanal; Länge: 105 Minuten; Start: 21. Februar 2002.