"Coyote Ugly": Kassenklingelnder Murks - DER SPIEGEL
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"Coyote Ugly" Kassenklingelnder Murks

Wovon träumen brave Mädchen heute? Sie wollen den Sex-Appeal eines Supermodels und herumträllern wie Britney Spears. "Coyote Ugly" liefert dazu ein entsprechend seichtes Girlie-Märchen.
Von Cristina Moles Kaupp
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kleinen Mädchen wurde schon Spannenderes vorgesetzt. Schneewittchen zum Beispiel: Kitsch pur, doch voller Intrigen, Action und Herzschmerz. Zugegeben, das Ende ist bekannt, aber immer noch besser als die Großstadtmärchen der amerikanischen Filmindustrie. Krampf wie "Coyote Ugly", dessen schlichte Story allenfalls Siebenjährige beeindrucken könnte: Violet (Piper Perabo), ein niedliches Mädel vom Land, kümmert sich rührend um ihren fetten Daddy und träumt davon, der verstorbenen Mutter nachzueifern. Sie will Songschreiberin werden und das ausgerechnet in New York. Da sitzt sie nun also nächtens über den Dächern Manhattans, klimpert zart auf der Gitarre und schmalzt zu verträumten Keyboard(!)-Klängen vom Soundtrack. Ist sie nicht süß? Fast so klebrig wie Butterfinger, eine amerikanische Karamell-Schweinerei.

Unverdrossen klappert sie mit ihrem Demo-Tape die Musiklabels ab, nach dem Motto: Bitte schön, ich hab´ da ein paar Hits für all die großen Stars geschrieben. Selber aufzutreten, trau´ ich mich nicht, denn Mama hat das auch nicht gekonnt. Heilige Einfalt - steckt so wenig Eigenes in 21-jährigen Schädeln, dass sie mit den Spleens der Eltern gefüllt werden müssen? Reicht dieses Psycho-Spurenelement für unterhaltsam spannende 101 Filmminuten? Keine Angst, es kommt noch dicker: Das Geld geht zur Neige, Violets Träume beginnen zu knittern, und irgendein Spitzbub raubt ihre letzten Habseligkeiten. Schon naht der rettende Traumprinz Kevin (Adam Garcia), der sich immerhin - welch Zugeständnis an das reale Leben in NYC - mit vier Jobs gleichzeitig durchs Leben schlägt.

Violet versucht sich indessen als Barfrau in einem der wildesten Downtown-Schuppen: "Coyote ugly". Genau der richtige Ort für ein tumbes, fleischfixiertes Publikum, kurioserweise aber auch für ihre Bühnenangst. Denn hier produzieren sich die Bar-Girls nicht nur hinter dem Tresen, sondern auch darauf. Die Mädels mit frappierend unglaubwürdigem Supermodel-Appeal lassen die Sau raus, feuern die Triebe an, um dann, zum Kühlen der Gemüter, Eiswürfel in die Menge zu schleudern. Sexy? Alles easy und vor allem gut bezahlt. Bis sich Violets Daddy durch die rüden Horden kämpft und das Töchterchen im nassen T-Shirt erblickt. Bis sie den Boyfriend, der ihr einen Gig beschafft, feige versetzt. Dabei ist der Preis für seine Mühe denkbar hoch - nun steht er mit der Erstausgabe eines heißgeliebten Comicheftes beim Clubbesitzer in der Kreide! Sandkastenkonflikte, böse Welt, lass dich umarmen.

Mit "Coyote Ugly" hätschelt Produzent Jerry Bruckheimer erneut seine Vorliebe für kassenklingelnden Murks. Nach "Flashdance", "Con Air", "The Rock" und aktuell "Nur noch 60 Sekunden" liefert er einen neuen Beweis, wie unwichtig Story und Charaktere sind, sofern Klischees und Zitate ihren Zweck erfüllen. Seichtes also für die Jüngsten der MTV-Generation, garniert mit wuchtigem aber ödem Soundtrack und appetitlichen Fleischhäppchen. Jeder weiß, wie's endet.

"Coyote Ugly". USA 2000. Regie: David McNally; Darsteller: Piper Perabo, Maria Bello, Tyra Banks, Adam Garcia, John Goodman, Melanie Lynskey, Adam Alexi-Malle, Izabella Miko, Bridget Moynahan, Greg Pitts; Vertrieb: Buena Vista; Länge: 101 Minuten; Start: 7. September 2000